Hausmädchen und Fahrer

Es wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich, dass in Hanoi jede ausländische Familie mindestens eine Vollzeit-Hausangestellte beschäftigt. Ganz oft auch noch einen Fahrer. Sobald man hier lebt, sieht man die Sache etwas gelassener. Die Hausangestellten gehören einfach dazu und sie erleichtern das Leben natürlich ungemein. Ich nehme auch an, dass sie mehr verdienen als die meisten Frauen, die hier auf den Baustellen oder mit Straßenverkäufen sehr schwere Arbeiten verrichten.

Auch vietnamesischen Mittelstandsfamilien beschäftigen Hausangestellte. Im Unterschied zu den Frauen bei den Ausländern, leben sie dauerhaft bei der Familie und schlafen oft bei der Oma mit im Zimmer. Neben dem Haushalt und den Kindern kümmern sie sich auch um die (kranken oder gebrechlichen) Großeltern. Sie kommen i.a. vom Land und sehen ihre eigenen Familien nur 1 Mal im Jahr zum Tetfest. Nicht alle kommen zurück. Manche heiraten oder entscheiden sich für ihre eigene Familie. Das Tetfest ist für die Familien in Hanoi immer eine kritische Zeit.

My und Sung

In den ausländischen Familien kommen die Hausangestellten nur tagsüber während der Woche. My kommt Montag bis Freitag von 10-18 Uhr, bleibt aber bei Bedarf auch mal länger. Sung kommt Montag und Donnerstag zum Bügeln. My kümmert sich um die gesamte Wohnung, räumt auf, wäscht die Wäsche, kauft ein bzw. bestellt (hier wird alles gebracht). Sie holt Lea vom Kindergarten ab und kocht für uns alle jeden Abend. Das macht sie richtig gerne. My spricht gut englisch und Sung ein wenig. So ist My auch manchmal die Übersetzerin, wenn es drauf ankommt. Gestern hat sie mir ein Taxi bestellt, weil kein Grabfahrer zu kriegen war.

Am Nachmittag findet hier (oder bestimmt auch in anderen Häusern) oft ein Nannytreffen mit Kleinkindern statt. Das ist ein fröhliches Geschnatter und die Kinder spielen miteinander, während die Nannys plaudern. Vietnamesen lieben Kinder und es kann passieren, dass Lea ungefragt im Gesicht getätschelt wird, wenn ich mit ihr unterwegs bin. Lea versteht als einzige in der Familie etwas vietnamesisch, sie antwortet aber englisch, wenn sie von My etwas gefragt wird.

Einen Fahrer hat meine family nicht, aber manche Familien beschäftigen einen. Ein Auto ist in Hanoi überflüssig, da es nirgends Parkplätze gibt und der Personentransport – ob Bus oder Taxi – extrem preiswert ist. Fahrer und Hausmädchen werden arbeitslos, wenn die Familie wieder in ihr Land zurückkehrt. Es gibt inzwischen Agenturen, die englischsprechende Haushaltshilfen vermitteln oder man hat eine Empfehlung.

Suppenküchen

Die preiswerteste Variante, an Essen zu kommen, ist die Suppenküche. Da muss man sich aber trauen, weil die Köche selten Englisch sprechen und die Zutaten Überraschungen bergen können. Ich bin bei meinem ersten Besuch im Old Quarter in die Gasse der Metzger (oder der verderblichen Lebensmittel) geraten und da war ich doch erstaunt, wie hier das Frischfleisch (?) dargeboten wird. Hatte ich schon erwähnt, dass sehr viele Gassen nach „Zünften“ sortiert sind. Ich war auch schon in der Gasse der Vorhängeschlösser (ein paar andere Metallsachen gab es da auch noch). Da verkaufen dann tatsächlich 20 kleine Läden hintereinander alle dasselbe. Eine Straße der Berufskleidung gibt es auch. Aber ich schweife ab.

Die Suppenküchen bieten selten mehr als 3 verschiedene Suppen an, oft auch nur eine. Dafür ist es sehr preiswert und man kann bei der Zubereitung zuschauen. Alle Hanoier scheinen sich überwiegend so zu ernähren. Die Suppe Pho gibt es in diversen Varianten und sie wird zum Frühstück, Mittag- und Abendessen gegessen. Pho ist das bekannteste Gericht Vietnams, es ist eine leichte, gesunde und schmackhafte Mahlzeit, die im Prinzip dem modernen Ernährungstrend entgegenkommt.

Viele Suppenküchen sehen ziemlich dreckig aus, da wollte ich nichts essen. Die meisten haben die Größe einer Garage, wie übrigens ganz viele Geschäfte. Vor der Tür sitzen immer Menschen auf kleinen Stühlen. Hat der Stuhl eine Rückenlehne, ist man sicher in der Touristenzone :-). Meine Pho hat gut geschmeckt, wobei ich es gerne etwas würziger hätte als hier üblich. Aber das ist ja bekanntlich Geschmackssache.

Die Pho kam zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Norden Vietnams auf. Die französichen Kolonialisten brachten Rezepte mit, deren Hauptzutat Rindfleisch war, das bis dahin selten gegessen wurde. Also wurden Rinder gezüchtet, geschlachtet und die besten Stücke verspeist. Übrig blieben jede Menge Knochen, Sehnen und zähes Fleisch. Die vietnamesischen Köche waren es gewohnt, ein Tier komplett zu verwerten. Sie kochten aus den Resten eine kräftige Brühe. Darin wurden die Fleischreste gegart und fertig war der Vorläufer der Pho.

Essen

Das Wichtigste zuerst: ich habe mit dem vietnamesischen Essen keine Probleme. Die Umstellung war nicht spürbar, mein Körper hat sich nichts anmerken lassen. Allerdings war ich auch heute zum ersten Mal in der Altstadt in einer der typischen Suppenküchen, die es hier am laufenden Band gibt. Mal sehen, wie es mir morgen geht :-).

Während der Woche esse ich abends mit der Familie zu Hause. My (wird Mi ausgesprochen) kocht. Es sind andere Kombinationen als ich sie kenne, aber sie sind leicht und bekömmlich. Heute gab es z.B. einen Nudelauflauf mit Lachs und Spinat. Fleisch gibt es nur selten und wenn, dann separat, weil Anna Vegetarierin ist. Freitags gibt es immer Pho (gesprochen fe mit kurzem e), die typische Nudelsuppe. Die Vietnamesen kochen eher gewürzarm, es ist überhaupt nicht scharf und unterscheidet sich ganz extrem von der thailändischen Küche, die bei uns so verbreitet ist. Schmeckt manchmal eher lasch.

Mittags habe ich mehrere Varianten zur Auswahl, da bin ich alleine unterwegs. Meine Lieblingsmöglichkeit ist 3Sisters bei mir um die Ecke. Die 3 Schwestern kochen jeden Tag Pho, Reis, frische Gemüse, Fisch und Fleisch und ich kann mir mein Essen nach Belieben zusammenstellen. Es ist eine Mischung zwischen Restaurant und Suppenküche mit normalen Stühlen. Das Essen mit Stäbchen geht gut, anders bekommt man die Nudeln auch nicht aus der Suppe, vom Löffel würden sie nur runterrutschen. Dazu trinke ich immer einen frisch gespressten Saft aus Mango, Ananas oder anderen Früchten. Die schmecken überirdisch.

Variante 2 ist ein richtiges Restaurant, wobei ich auch nicht weiß, wie da die Küche aussieht. In Thai Ho, aber auch im Old Quarter, gibt es sehr viele internationale Restaurants jeder Nationalität. Deutsche sind natürlich auch dabei mit Schnitzel und Sauerkraut. Das findet Felix ganz toll. Wir waren da aber noch nicht. Ich habe bislang nur in vietnamesischen Restaurants gegessen.

In teureren Restaurants gibt es Hummer und andere bemitleidenswerte Fische direkt aus dem Aquarium.

Variante 3 ist eine Tüte Chips 🙂 oder geschältes Obst von einer Straßenverkäuferin.

Die am meisten genutzte Variante – die Suppenküche – verdient einen extra Blog.


Wie find ich das denn? Hausnummernquiz

Es gibt ein System, man muss es nur verstehen. Nehmen wir an, du willst jemanden besuchen, der unter der oben angegebenen Adresse wohnt und du hast kein Google Maps. Nutzt vielleicht auch nichts.

Du fährst also los und findest tatsächlich die Dang Thai Mai (ist eine Straße hier um die Ecke). Dann musst du in den 12. Weg einbiegen oder schauen, ob irgendwo Ngo 12 steht. Anschließend geht es von dort in die 2. Gasse ab und davon dann nochmal in die 5. Gasse. Ist immer noch die Dang Thai Mai, aber eben schon um ein paar Ecken. Ich dachte auch schon mal, ich wäre am Ziel und fühlte mich dann etwas später wie in einem Irrgarten.

Es gibt hier im wesentlichen Straßen (dang oder pho) oder Wege (ngo oder hem). Die Nebenstraßen heißen oft wie die Hauptstraßen (siehe oben). Es gibt Straßen, die nach einer Kreuzung schräg gegenüber weitergehen und manche Gassen sehen aus wie Hauseinfahrten. Manchmal gibt es auch eine Hausnummer doppelt.

Das beste ist, dass bei fast jeder Hausnummer die Straße dabeisteht. So weiß ich dann doch, dass ich irgendwie in der Nähe bin. Hier in Tay Ho habe ich inzwischen eine recht gute Orientierung. Wobei es auch Überraschungen gibt. Felix hat mich vorgestern auf der Fahrt mit dem Fahrrad mitten durch ein Restaurant geführt und dann einen Schleichweg am Tümpel entlang nach Hause. War aber ne echte Abkürzung.

Flaggen und Trump

In der nächsten Woche kommt Donald Trump, um sich in Hanoi mit Kim Jong Un zu treffen. Die Stadt ist vorbereitet und nennt sich nun City for peace.

In der Stadt hängen speziell im Regierungs- und Botschaftenviertel vermehrt amerikanische und nordkoreanische Flaggen neben der vietnamesischen.

Im übrigen sieht man auch sonst überall die vietnamesische Flagge wehen. Es gibt sie seit 1940 und das rot steht für die kommunistische Bewegung, die fünf Zacken des Sterns für die fünf Hauptklassen in der vietnamesischen Gesellschaft – Intellektuelle, Bauern, Proletariat, Kleinbürger und Militärs.

Daneben gibt es des öfteren eine 6farbige Fahne. Entweder ist sie gestreift oder an den Pagoden in einer quadratischen Anordnung. Laut Auskunft eines Reiseführers ist dies die ursprüngliche alte Flagge aus dem Kaiserreich Vietnam, die die 6 Elemente darstellt, die auch bei den Tierkreiszeichen eine Rolle spielen. Wir haben ihn darauf aufmerksam gemacht, dass manchmal nur 5 Farben vorkommen oder manchmal eine Farbe doppelt ist. Er meinte nur, die Näherinnen hätten heutzutage einfach keine Ahnung mehr.

Mein Leben als Granny

An einem Wochentag stehe ich um 6.30 Uhr auf, mache mich fertig und gehe dann nach unten, um das Frühstück vorzubereiten. Als erstes wird der gute vietnamesische Kaffee in einer französischen „Drückerkanne“ zubereitet. Vietnam ist nach Brasilien der zweitgrößte Kaffee-Exporteur der Welt, entsprechend viele Sorten gibt es hier. Ich mache die Milch für die Kinder warm und räume den Tisch hin. Manchmal gibt es Brot mit Marmelade, manchmal Müsli.

Die Familie (Rainer, Anna, Felix und Lea) kommen so 15 Minuten nach mir. Sie frühstücken, ich mache Schulbrot oder Apfelschnitze für Felix (7 Jahre) und creme ihn mit Sonnencreme ein, bevor ich ihn zum Schulbus bringe. Der hält quasi direkt vor der Tür. 20 Minuten später wird Lea (2,5 Jahre) eingecremt und dann laufen wir mit dem Buggy in den Kindergarten. Er ist ca. 20 Minuten entfernt. Lea ist eine supersüße Maus in der Trotzphase.

Das V-Zeichen hat nichts mit unserem Sieg- oder Friedenszeichen zu tun. Viele Vietnamesen machen es auf Fotos. Die Meinungen darüber, was es bedeutet, gehen auseinander. Am wahrscheinlichsten ist, dass es ein Import aus Japan ist und Mir geht es gut bedeutet.

Wenn ich zurückkomme, sind Anna und Rainer meistens schon weg. Dann trinke ich in Ruhe meinen Kaffee, esse was und lese die Viet Nam News.

Danach kann ich machen was ich will. Ich blogge, lese, fotografiere und bin jeden Tag unterwegs. Um 10 Uhr kommt My, die Nanny der Familie, die sich um den gesamten Haushalt kümmert und Lea nachmittags aus dem Kindergarten abholt. Ich bin immer zurück, wenn Felix (meistens um 16 Uhr) aus der Schule kommt. Er gibt dann vor, wie der weitere Nachmittag verläuft. Manchmal bringe ich ihn zu einem Freund, manchmal machen wir was zusammen, z.B. Monopoly spielen, die Hanoi-Version.

Donnerstags geht er im Moment noch zum Tennis, wir fahren beide mit dem Fahrrad hin. Mittwochs fahre ich um 14 Uhr zu ihm in die Schule und wir lesen und spielen dort in der Bibliothek, bis um 17 Uhr sein Fussballtraining beginnt. Ich bleibe bis 18.30 Uhr dabei und fahre dann mit dem Taxi mit ihm heim. Felix könnte jeden Tag von morgens bis abends kicken. Er hat eine Fußballerseele. Freitags müssen wir hin und wieder zum Zahnarzt fahren, weil die Zahnspange nachgestellt werden muss. Felix ist mein Schützling und ein sehr intelligentes und umgängliches Kind. Lea und Felix gehen sehr unbefangen und vertrauensvoll mit mir um. Das ging ganz schnell. Ich mag beide sehr gerne und freue mich, dass es so einfach ist.

My kocht während der Woche für uns. So gegen 18.30 Uhr essen wir alle zusammen und verplaudern die Zeit. Spätestens um 20 Uhr räume ich ab und die Küche auf. Rainer und Anna bringen die Kinder ins Bett. Wenn sie eine Abendverabredung haben, mache ich das auch mal. Ich bin abends in meinem Zimmer und blogge meistens. Die Fotos müssen sortiert und Informationen recherchiert werden. Bislang bin ich noch nicht dazu gekommen, Nachrichten zu schauen oder einen Film. Spätestens um 23 Uhr bin ich müde.

Am Samstag bringe ich Felix um 8 Uhr zu seinem zweiten Fussballtraining. Entweder nehme ich ihn danach wieder mit nach Hause oder er geht direkt zu einem Freund. Der restliche Tag ist ganz flexibel, je nach Wetterlage und was so an Verabredungen anliegt. Heute nachmittag habe ich z.B. mit Felix in seinem Zimmer mit einem Softball Kopfballtraining und Fallrückzieher trainiert. Also er, nicht ich! Wir haben das Deutschbuch für die Schule gelesen, das ist neben den Englisch-Leseeinheiten auch noch eine meiner Aufgaben. Mehr Hausaufgaben gibt es aber nicht. Heute abend haben wir Pizza bestellt und dann alle zusammen einen gemütlichen Film-Abend mit dem Animationsfilm Sing verbracht.

Sonntags schlafe ich aus und stelle keinen Wecker!!

Old Quarter mit Film

Normaler Kreuzungsverkehr

Ich lasse für heute 3 kleine Filme für sich sprechen. Man möge mir meine Unprofessionalität verzeihen. Wenn der Film endet, bin ich nicht überfahren worden, sondern suche nur den Knopf zum Ausschalten. Filme lassen sich auch nicht größer darstellen.

Zentraler Platz oder Kreisel oder alles auf einmal

Nun bin ich schon fast 2 Wochen hier, höchste Zeit also, um ins Old Quarter zu kommen. Dieses Viertel sehen alle Touristen, wenn sie nach Hanoi kommen. Heute habe ich mich einfach nur durch die Straßen treiben lassen, das nächste Mal gehe ich gezielt zu den Sehenswürdigkeiten. Das Viertel ist bunt, laut, eng und bei allem Tourismus trotzdem sehr authentisch. Mir hat es gefallen, es ist ganz anders als Tay Ho, noch viel wuseliger. Es gibt hier mehr Geschäfte und hier bekommt man auch Klamotten. Ich habe mir 2 einfache Sommerkleider und eine leichte Sommerhose gekauft. Ich habe gehandelt, wie man das ja hier machen soll. Alles zusammen hat dann 10 Euro gekostet, es ist aber auch wirklich nichts besonderes, sondern einfach nur leicht und hitzetauglich. Heute sind zwar im Gegensatz zu gestern (30 Grad) nur 18 Grad, aber der Sommer kommt erst noch.

Viele Gassen sind nach Geschäftstyp sortiert, in einer Straße gibt es nur Süßigkeiten, in der anderen nur Fleisch, in einer dritten nur Souvenirs. Ganz sicher ist das nicht der letzte Bericht über dieses Viertel.

Gesungen wird hier auch!!

Mülltrennung auf vietnamesich

Alles, was ich hier schreibe, gilt nur für Hanoi. Vielleicht machen die Menschen im Süden einiges anders, sie haben ja eine andere Geschichte. Meine Blogs basieren in erste Linie auf eigenen Beobachtungen, in zweiter auf Nachfragen bei Anna und Rainer und erst in dritter auf Internetrecherche.

Der Müll wird zu kleinen, offenen Containern gebracht oder einfach am Straßenrand abgestellt. Frauen (Waste Picker) durchwühlen den Müll und suchen nach Metall, Plastik, Glas und Papier. Das sehe ich hier ständig. Ich habe heute eine Frau beobachtet, die mit den Füssen die Mülltüte erfühlt hat, um zu „sehen“, ob noch Verwertbares darin ist. Die Frauen „arbeiten“ in einer ungeregelten Grauzone und verkaufen ihre Wertstoffe an kleine Recyclingunternehmen weiter. Hier um die Ecke ist auch eines. Anna und Rainer trennen schon zu Hause, um den Frauen das Leben leichter zu machen.

Essensreste werden auch mal von freilaufenden Hunden aus den Plastiktüten gezerrt. Morgens sehen Lea und ich immer Hühner, die beim Müll was auch immer aufgepicken. Es gibt natürlich die offizielle Müllabholung, die wohl 2x am Tag kommen soll, weil es hier so schwül ist und dann auch stinkt. Aber ich sehe manchen Müllhaufen schon seit Tagen rumliegen.

Blätter, Pflanzen und Papier werden überall angezündet. An manchen Tagen ist die Luft dadurch vernebelt und es riecht entsprechend. Auch das entspricht nicht unseren Vorstellungen von Luftreinhaltung.

Bei alldem gehe ich nicht durch die Stadt, um zu verurteilen oder zu bewerten, sondern um zu verstehen. Vietnam ist in etwa an dem Punkt, an dem wir in Deutschland Anfang der 60er Jahre waren, als in den Autos und Büros geraucht wurde und wir uns um Umweltschutz auch keine Gedanken machten. Ausländisches KnowHow kann hier unterstützen und tut das auch. Anna arbeitet im Bereich Umweltschutz mit dem hiesigen Umweltministerium zusammen.

Vietnam ist auch in dieser Hinsicht ein Land der Gegensätze. Die eine Seite: Der Strombedarf in Vietnam wird sich in den nächsten zehn Jahren verdreifachen. Das Land setzt dabei auf Kohle. Die andere Seite: Müllverwertungsanlagen (Waste to Energy) stehen bei der vietnamesischen Regierung hoch im Kurs. Eine erste Anlage, der Nam Son Waste Treatment Complex in Hanoi, befindet sich in der Probephase.

Hier noch ein Artikel zu diesem Thema:

https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/Branche-kompakt/branche-kompakt-recycling-und-entsorgungswirtschaft,t=branche-kompakt-vietnam-sagt-dem-muell-den-kampf-an,did=1912848.html

Thanh Chuong Palace

Nach der Besichtigung der Pagoden/Tempel sind wir weiter zum Thanh Chuong Palace gefahren. Welch eine Idylle mitten im Naturschutzgebiet.

It is said that painting is one way to understand the world, I want to add, that it’s also a way to love the world (Thanh Chuong). Thang Chuong ist einer der bedeutendsten Künstler Vietnams. Er galt als Wunderkind, als er im Alter von sieben Jahren zu zeichnen begann. Er gewann bereits mit 8 Jahren seinen ersten Preis. Seine Arbeit ist heute ein zentraler Punkt in der vietnamesischen Kultur und Kunst.

Der Garten mit vielen Gebäuden und noch mehr Kunst wurde 2001 vom Künstler angelegt. Die Stadt Hanoi hatte den Bau erlaubt. Da der Garten in einem Naturschutzgebiet liegt, hätte auch die Zentralregierung ihre Zustimmung geben müssen. Da dies bis heute nicht geschehen ist, ist immer noch ein kleiner Zwist beizulegen.

Es ist wunderschön hier. Man geht durch diesen privaten Park, entlang an kleinen Seen und wird an jeder Ecke und auch dazwischen von traditioneller und moderner Kunst überrascht. Nirgends eine Überwachungskamera, nirgends Security. Wir haben auch eine Wohnung besichtigt und waren alle etwas unsicher, ob das so gedacht ist und nicht gleich der Künstler halbnackt aus dem Bad kommt. Auf dem Gelände befindet sich auch ein Restaurant, in dem wir anschließend wunderbar gegessen haben.

Ich habe bislang in Hanoi keine Parks gesehen. Ein kleines Stückchen Wiese gibt es hier an einem Kinderspielplatz zwischen den Spielgeräten. Die ist am Wochenende völlig übervölkert. An den Pagoden ist auch etwas Grünfläche, aber das ist nicht der Platz, wo man sich hinsetzt, um ein Buch zu lesen.

PS: Die Bilder sind manchmal breiter als hier zu sehen. Einfach draufklicken, dann kommt eine Bildergalerie.


Tempel und Pagoden

Wenn man ein Ausflugsziel besucht, sitzen – ähnlich wie bei uns – Souvenirverkäufer vor dem Eingang. Allerdings gibt es hier natürlich etwas andere Mitbringsel. Ich habe etwas gesehen, dass aussah wie ein Stück Büffelhorn. Ansonsten jede Menge Kitsch in Gold und Rot. Das sind schon immer die Farben der höhergestellten Persönlichkeiten. Man sollte auch heute noch nicht unbedingt mit goldgelbem Hemd ins Büro gehen, wenn man nicht wirklich der Boss ist.

Was ist nun eigentlich der Unterschied zwischen einem Tempel und einer Pagode? In einer Pagode wird immer zu Buddha gebeten, in einem Tempel zu anderen Gottheiten, aber auch mal zur Mutter einer Gottheit, einem berühmten General oder anderen Persönlichkeiten, die sich für Vietnam verdient gemacht haben. In Hanoi gibt es jede Menge Pagoden und trotzdem kann man nicht sagen, dass Vietnam buddhistisch ist. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung bekennt sich zum Buddhismus, trotzdem gehen viele in Pagoden, um hier für Glück, Wohlstand und Gesundheit zu beten. Der vietnamesische Buddhismus ist eigen, da diverse Buddhas nebeneinander existieren und in einer Pagode auch zusätzlich mal andere Muttergottheiten vertreten sind. Laut Reiseleiter ist die vorherrschende Religion, wenn man sie denn überhaupt so bezeichnen will, eine Mischung aus Buddhismus, Konfuzianismus und Taoismus, angereichert mit vietnamesischen Spezialitäten. Insgesamt gibt es sehr viel Aberglaube, Rituale, Ahnenkult, Geisterglaube und Gebete, das muss ich aber noch mal extra abhandeln. Offiziell sind ca. 85 % aller Vietnamesen Atheisten.

Ich konnte gestern weder äußerlich noch drinnen einen Unterschied zwischen Tempeln und Pagoden erkennen. Der Reiseleiter war angesichts unserer Frage auch etwas unsicher, meinte aber, dass Pagoden oft ein geschwungenes Aussendach hätten. In jedem Fall werden vorher die Räucherstäbchen angezündet (wie hier überall sowieso gerne gezündelt wird). Sie kommen in ein Behältnis und dann wird mit gefalteten Händen kurz innegehalten und sich verbeugt.

Das ist also eine Pagode

Innen ist es in jedem Fall gold-rot überladen. Die Besucher richten auf Schalen, die vor jedem Haus stehen, ihre Opfergaben an. Es ist i.a. etwas zum Essen oder Trinken, manchmal aber auch Geld. Wir haben gefragt, was mit dem Obst und anderen Nahrungsmiteln später passiert. Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Wenn etwas Kleines vor dem Haus im Räucherofen sinnbildlich verbrannt wird und das Opfer den Gott somit erreicht, kann die ganze Schale anschließend wieder mitgenommen werden. Oder die Gaben verbleiben im Tempel und werden an Bedürftige geliefert oder sie sind so haltbar wie z.B. Dosenbier, das steht dann da sehr lange.