Es wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich, dass in Hanoi jede ausländische Familie mindestens eine Vollzeit-Hausangestellte beschäftigt. Ganz oft auch noch einen Fahrer. Sobald man hier lebt, sieht man die Sache etwas gelassener. Die Hausangestellten gehören einfach dazu und sie erleichtern das Leben natürlich ungemein. Ich nehme auch an, dass sie mehr verdienen als die meisten Frauen, die hier auf den Baustellen oder mit Straßenverkäufen sehr schwere Arbeiten verrichten.
Auch vietnamesischen Mittelstandsfamilien beschäftigen Hausangestellte. Im Unterschied zu den Frauen bei den Ausländern, leben sie dauerhaft bei der Familie und schlafen oft bei der Oma mit im Zimmer. Neben dem Haushalt und den Kindern kümmern sie sich auch um die (kranken oder gebrechlichen) Großeltern. Sie kommen i.a. vom Land und sehen ihre eigenen Familien nur 1 Mal im Jahr zum Tetfest. Nicht alle kommen zurück. Manche heiraten oder entscheiden sich für ihre eigene Familie. Das Tetfest ist für die Familien in Hanoi immer eine kritische Zeit.

In den ausländischen Familien kommen die Hausangestellten nur tagsüber während der Woche. My kommt Montag bis Freitag von 10-18 Uhr, bleibt aber bei Bedarf auch mal länger. Sung kommt Montag und Donnerstag zum Bügeln. My kümmert sich um die gesamte Wohnung, räumt auf, wäscht die Wäsche, kauft ein bzw. bestellt (hier wird alles gebracht). Sie holt Lea vom Kindergarten ab und kocht für uns alle jeden Abend. Das macht sie richtig gerne. My spricht gut englisch und Sung ein wenig. So ist My auch manchmal die Übersetzerin, wenn es drauf ankommt. Gestern hat sie mir ein Taxi bestellt, weil kein Grabfahrer zu kriegen war.
Am Nachmittag findet hier (oder bestimmt auch in anderen Häusern) oft ein Nannytreffen mit Kleinkindern statt. Das ist ein fröhliches Geschnatter und die Kinder spielen miteinander, während die Nannys plaudern. Vietnamesen lieben Kinder und es kann passieren, dass Lea ungefragt im Gesicht getätschelt wird, wenn ich mit ihr unterwegs bin. Lea versteht als einzige in der Familie etwas vietnamesisch, sie antwortet aber englisch, wenn sie von My etwas gefragt wird.
Einen Fahrer hat meine family nicht, aber manche Familien beschäftigen einen. Ein Auto ist in Hanoi überflüssig, da es nirgends Parkplätze gibt und der Personentransport – ob Bus oder Taxi – extrem preiswert ist. Fahrer und Hausmädchen werden arbeitslos, wenn die Familie wieder in ihr Land zurückkehrt. Es gibt inzwischen Agenturen, die englischsprechende Haushaltshilfen vermitteln oder man hat eine Empfehlung.

































































