Vietnamesisch Teil II

Wenn man dann einigermaßen vietnamesisch gelernt hat, muss man noch die spezifischen Besonderheiten beachten. Es gibt hier kein richtiges Wort für ich oder du, weil die andere Person in Form einer Familienbezeichnung angesprochen wird. „Großmutter, kannst Du bitte Enkelin ein Taschentuch geben.“

Was macht man aber, wenn man mit der Person nicht verwandt ist? Man tut einfach so und überlegt, welche Stelle die Person aufgrund ihres Alters in der Familie einnehmen würde. „Älterer Bruder, kannst Du bitte kleiner Schwester sagen, wo der Bahnhof ist!“ Das geht aber nur, solange die beteiligten Personen den gleichen Status haben. Taxifahrer oder Kellner reden ihre Kunden immer mit älterer Bruder an, auch wenn sie jünger sind, weil es einfach höflicher ist. Dann kann es passieren, dass sich beide mit älterer Bruder anreden.

Aber woher weiss man, wie alt der Gesprächspartner ist? Hier ist eine der ersten Fragen, die einer Person gestellt werden: „Wie alt bist Du?“ Wenn das nicht gelingt, nimmt man einfach die ältere Anrede. Falls das Gegenüber eine Frau ist und man nicht unhöflich sein möchte und sie älter machen als sie ist, gilt aber, dass auch die jüngere Anrede genommen werden darf. Du meine Güte, ich würde erst mal 5 Minuten garnichts sagen, um einschätzen zu können, welche Anrede denn nun angebracht ist. Und ob mein Gegenüber etwa so alt ist wie die jüngere Schwester meines Vaters oder ob er/sie vielleicht so alt ist wie ich.

Die Kinder sagen übrigens zu My (die Nanny) Ko My, das bedeutet Tante My. Zu mir würden Sie Ba Marion sagen (Oma Marion). „Ba Marion, Chau Lea (= Enkelin) hat Durst!“

Wenn man mit mehreren Leuten im Büroalltag mailt oder zu Menschen spricht, die man nicht genauer kennt, nimmt man die altersneutrale Form toi (= entspricht in etwa unserem „ich“) und cac ban (=Freunde/ihr) für das Gegenüber.

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