Tempel und Pagoden

Wenn man ein Ausflugsziel besucht, sitzen – ähnlich wie bei uns – Souvenirverkäufer vor dem Eingang. Allerdings gibt es hier natürlich etwas andere Mitbringsel. Ich habe etwas gesehen, dass aussah wie ein Stück Büffelhorn. Ansonsten jede Menge Kitsch in Gold und Rot. Das sind schon immer die Farben der höhergestellten Persönlichkeiten. Man sollte auch heute noch nicht unbedingt mit goldgelbem Hemd ins Büro gehen, wenn man nicht wirklich der Boss ist.

Was ist nun eigentlich der Unterschied zwischen einem Tempel und einer Pagode? In einer Pagode wird immer zu Buddha gebeten, in einem Tempel zu anderen Gottheiten, aber auch mal zur Mutter einer Gottheit, einem berühmten General oder anderen Persönlichkeiten, die sich für Vietnam verdient gemacht haben. In Hanoi gibt es jede Menge Pagoden und trotzdem kann man nicht sagen, dass Vietnam buddhistisch ist. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung bekennt sich zum Buddhismus, trotzdem gehen viele in Pagoden, um hier für Glück, Wohlstand und Gesundheit zu beten. Der vietnamesische Buddhismus ist eigen, da diverse Buddhas nebeneinander existieren und in einer Pagode auch zusätzlich mal andere Muttergottheiten vertreten sind. Laut Reiseleiter ist die vorherrschende Religion, wenn man sie denn überhaupt so bezeichnen will, eine Mischung aus Buddhismus, Konfuzianismus und Taoismus, angereichert mit vietnamesischen Spezialitäten. Insgesamt gibt es sehr viel Aberglaube, Rituale, Ahnenkult, Geisterglaube und Gebete, das muss ich aber noch mal extra abhandeln. Offiziell sind ca. 85 % aller Vietnamesen Atheisten.

Ich konnte gestern weder äußerlich noch drinnen einen Unterschied zwischen Tempeln und Pagoden erkennen. Der Reiseleiter war angesichts unserer Frage auch etwas unsicher, meinte aber, dass Pagoden oft ein geschwungenes Aussendach hätten. In jedem Fall werden vorher die Räucherstäbchen angezündet (wie hier überall sowieso gerne gezündelt wird). Sie kommen in ein Behältnis und dann wird mit gefalteten Händen kurz innegehalten und sich verbeugt.

Das ist also eine Pagode

Innen ist es in jedem Fall gold-rot überladen. Die Besucher richten auf Schalen, die vor jedem Haus stehen, ihre Opfergaben an. Es ist i.a. etwas zum Essen oder Trinken, manchmal aber auch Geld. Wir haben gefragt, was mit dem Obst und anderen Nahrungsmiteln später passiert. Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Wenn etwas Kleines vor dem Haus im Räucherofen sinnbildlich verbrannt wird und das Opfer den Gott somit erreicht, kann die ganze Schale anschließend wieder mitgenommen werden. Oder die Gaben verbleiben im Tempel und werden an Bedürftige geliefert oder sie sind so haltbar wie z.B. Dosenbier, das steht dann da sehr lange.


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