Mülltrennung auf vietnamesich

Alles, was ich hier schreibe, gilt nur für Hanoi. Vielleicht machen die Menschen im Süden einiges anders, sie haben ja eine andere Geschichte. Meine Blogs basieren in erste Linie auf eigenen Beobachtungen, in zweiter auf Nachfragen bei Anna und Rainer und erst in dritter auf Internetrecherche.

Der Müll wird zu kleinen, offenen Containern gebracht oder einfach am Straßenrand abgestellt. Frauen (Waste Picker) durchwühlen den Müll und suchen nach Metall, Plastik, Glas und Papier. Das sehe ich hier ständig. Ich habe heute eine Frau beobachtet, die mit den Füssen die Mülltüte erfühlt hat, um zu „sehen“, ob noch Verwertbares darin ist. Die Frauen „arbeiten“ in einer ungeregelten Grauzone und verkaufen ihre Wertstoffe an kleine Recyclingunternehmen weiter. Hier um die Ecke ist auch eines. Anna und Rainer trennen schon zu Hause, um den Frauen das Leben leichter zu machen.

Essensreste werden auch mal von freilaufenden Hunden aus den Plastiktüten gezerrt. Morgens sehen Lea und ich immer Hühner, die beim Müll was auch immer aufgepicken. Es gibt natürlich die offizielle Müllabholung, die wohl 2x am Tag kommen soll, weil es hier so schwül ist und dann auch stinkt. Aber ich sehe manchen Müllhaufen schon seit Tagen rumliegen.

Blätter, Pflanzen und Papier werden überall angezündet. An manchen Tagen ist die Luft dadurch vernebelt und es riecht entsprechend. Auch das entspricht nicht unseren Vorstellungen von Luftreinhaltung.

Bei alldem gehe ich nicht durch die Stadt, um zu verurteilen oder zu bewerten, sondern um zu verstehen. Vietnam ist in etwa an dem Punkt, an dem wir in Deutschland Anfang der 60er Jahre waren, als in den Autos und Büros geraucht wurde und wir uns um Umweltschutz auch keine Gedanken machten. Ausländisches KnowHow kann hier unterstützen und tut das auch. Anna arbeitet im Bereich Umweltschutz mit dem hiesigen Umweltministerium zusammen.

Vietnam ist auch in dieser Hinsicht ein Land der Gegensätze. Die eine Seite: Der Strombedarf in Vietnam wird sich in den nächsten zehn Jahren verdreifachen. Das Land setzt dabei auf Kohle. Die andere Seite: Müllverwertungsanlagen (Waste to Energy) stehen bei der vietnamesischen Regierung hoch im Kurs. Eine erste Anlage, der Nam Son Waste Treatment Complex in Hanoi, befindet sich in der Probephase.

Hier noch ein Artikel zu diesem Thema:

https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/Branche-kompakt/branche-kompakt-recycling-und-entsorgungswirtschaft,t=branche-kompakt-vietnam-sagt-dem-muell-den-kampf-an,did=1912848.html

Thanh Chuong Palace

Nach der Besichtigung der Pagoden/Tempel sind wir weiter zum Thanh Chuong Palace gefahren. Welch eine Idylle mitten im Naturschutzgebiet.

It is said that painting is one way to understand the world, I want to add, that it’s also a way to love the world (Thanh Chuong). Thang Chuong ist einer der bedeutendsten Künstler Vietnams. Er galt als Wunderkind, als er im Alter von sieben Jahren zu zeichnen begann. Er gewann bereits mit 8 Jahren seinen ersten Preis. Seine Arbeit ist heute ein zentraler Punkt in der vietnamesischen Kultur und Kunst.

Der Garten mit vielen Gebäuden und noch mehr Kunst wurde 2001 vom Künstler angelegt. Die Stadt Hanoi hatte den Bau erlaubt. Da der Garten in einem Naturschutzgebiet liegt, hätte auch die Zentralregierung ihre Zustimmung geben müssen. Da dies bis heute nicht geschehen ist, ist immer noch ein kleiner Zwist beizulegen.

Es ist wunderschön hier. Man geht durch diesen privaten Park, entlang an kleinen Seen und wird an jeder Ecke und auch dazwischen von traditioneller und moderner Kunst überrascht. Nirgends eine Überwachungskamera, nirgends Security. Wir haben auch eine Wohnung besichtigt und waren alle etwas unsicher, ob das so gedacht ist und nicht gleich der Künstler halbnackt aus dem Bad kommt. Auf dem Gelände befindet sich auch ein Restaurant, in dem wir anschließend wunderbar gegessen haben.

Ich habe bislang in Hanoi keine Parks gesehen. Ein kleines Stückchen Wiese gibt es hier an einem Kinderspielplatz zwischen den Spielgeräten. Die ist am Wochenende völlig übervölkert. An den Pagoden ist auch etwas Grünfläche, aber das ist nicht der Platz, wo man sich hinsetzt, um ein Buch zu lesen.

PS: Die Bilder sind manchmal breiter als hier zu sehen. Einfach draufklicken, dann kommt eine Bildergalerie.