Mein Leben als Granny

An einem Wochentag stehe ich um 6.30 Uhr auf, mache mich fertig und gehe dann nach unten, um das Frühstück vorzubereiten. Als erstes wird der gute vietnamesische Kaffee in einer französischen „Drückerkanne“ zubereitet. Vietnam ist nach Brasilien der zweitgrößte Kaffee-Exporteur der Welt, entsprechend viele Sorten gibt es hier. Ich mache die Milch für die Kinder warm und räume den Tisch hin. Manchmal gibt es Brot mit Marmelade, manchmal Müsli.

Die Familie (Rainer, Anna, Felix und Lea) kommen so 15 Minuten nach mir. Sie frühstücken, ich mache Schulbrot oder Apfelschnitze für Felix (7 Jahre) und creme ihn mit Sonnencreme ein, bevor ich ihn zum Schulbus bringe. Der hält quasi direkt vor der Tür. 20 Minuten später wird Lea (2,5 Jahre) eingecremt und dann laufen wir mit dem Buggy in den Kindergarten. Er ist ca. 20 Minuten entfernt. Lea ist eine supersüße Maus in der Trotzphase.

Das V-Zeichen hat nichts mit unserem Sieg- oder Friedenszeichen zu tun. Viele Vietnamesen machen es auf Fotos. Die Meinungen darüber, was es bedeutet, gehen auseinander. Am wahrscheinlichsten ist, dass es ein Import aus Japan ist und Mir geht es gut bedeutet.

Wenn ich zurückkomme, sind Anna und Rainer meistens schon weg. Dann trinke ich in Ruhe meinen Kaffee, esse was und lese die Viet Nam News.

Danach kann ich machen was ich will. Ich blogge, lese, fotografiere und bin jeden Tag unterwegs. Um 10 Uhr kommt My, die Nanny der Familie, die sich um den gesamten Haushalt kümmert und Lea nachmittags aus dem Kindergarten abholt. Ich bin immer zurück, wenn Felix (meistens um 16 Uhr) aus der Schule kommt. Er gibt dann vor, wie der weitere Nachmittag verläuft. Manchmal bringe ich ihn zu einem Freund, manchmal machen wir was zusammen, z.B. Monopoly spielen, die Hanoi-Version.

Donnerstags geht er im Moment noch zum Tennis, wir fahren beide mit dem Fahrrad hin. Mittwochs fahre ich um 14 Uhr zu ihm in die Schule und wir lesen und spielen dort in der Bibliothek, bis um 17 Uhr sein Fussballtraining beginnt. Ich bleibe bis 18.30 Uhr dabei und fahre dann mit dem Taxi mit ihm heim. Felix könnte jeden Tag von morgens bis abends kicken. Er hat eine Fußballerseele. Freitags müssen wir hin und wieder zum Zahnarzt fahren, weil die Zahnspange nachgestellt werden muss. Felix ist mein Schützling und ein sehr intelligentes und umgängliches Kind. Lea und Felix gehen sehr unbefangen und vertrauensvoll mit mir um. Das ging ganz schnell. Ich mag beide sehr gerne und freue mich, dass es so einfach ist.

My kocht während der Woche für uns. So gegen 18.30 Uhr essen wir alle zusammen und verplaudern die Zeit. Spätestens um 20 Uhr räume ich ab und die Küche auf. Rainer und Anna bringen die Kinder ins Bett. Wenn sie eine Abendverabredung haben, mache ich das auch mal. Ich bin abends in meinem Zimmer und blogge meistens. Die Fotos müssen sortiert und Informationen recherchiert werden. Bislang bin ich noch nicht dazu gekommen, Nachrichten zu schauen oder einen Film. Spätestens um 23 Uhr bin ich müde.

Am Samstag bringe ich Felix um 8 Uhr zu seinem zweiten Fussballtraining. Entweder nehme ich ihn danach wieder mit nach Hause oder er geht direkt zu einem Freund. Der restliche Tag ist ganz flexibel, je nach Wetterlage und was so an Verabredungen anliegt. Heute nachmittag habe ich z.B. mit Felix in seinem Zimmer mit einem Softball Kopfballtraining und Fallrückzieher trainiert. Also er, nicht ich! Wir haben das Deutschbuch für die Schule gelesen, das ist neben den Englisch-Leseeinheiten auch noch eine meiner Aufgaben. Mehr Hausaufgaben gibt es aber nicht. Heute abend haben wir Pizza bestellt und dann alle zusammen einen gemütlichen Film-Abend mit dem Animationsfilm Sing verbracht.

Sonntags schlafe ich aus und stelle keinen Wecker!!