Suppenküchen

Die preiswerteste Variante, an Essen zu kommen, ist die Suppenküche. Da muss man sich aber trauen, weil die Köche selten Englisch sprechen und die Zutaten Überraschungen bergen können. Ich bin bei meinem ersten Besuch im Old Quarter in die Gasse der Metzger (oder der verderblichen Lebensmittel) geraten und da war ich doch erstaunt, wie hier das Frischfleisch (?) dargeboten wird. Hatte ich schon erwähnt, dass sehr viele Gassen nach „Zünften“ sortiert sind. Ich war auch schon in der Gasse der Vorhängeschlösser (ein paar andere Metallsachen gab es da auch noch). Da verkaufen dann tatsächlich 20 kleine Läden hintereinander alle dasselbe. Eine Straße der Berufskleidung gibt es auch. Aber ich schweife ab.

Die Suppenküchen bieten selten mehr als 3 verschiedene Suppen an, oft auch nur eine. Dafür ist es sehr preiswert und man kann bei der Zubereitung zuschauen. Alle Hanoier scheinen sich überwiegend so zu ernähren. Die Suppe Pho gibt es in diversen Varianten und sie wird zum Frühstück, Mittag- und Abendessen gegessen. Pho ist das bekannteste Gericht Vietnams, es ist eine leichte, gesunde und schmackhafte Mahlzeit, die im Prinzip dem modernen Ernährungstrend entgegenkommt.

Viele Suppenküchen sehen ziemlich dreckig aus, da wollte ich nichts essen. Die meisten haben die Größe einer Garage, wie übrigens ganz viele Geschäfte. Vor der Tür sitzen immer Menschen auf kleinen Stühlen. Hat der Stuhl eine Rückenlehne, ist man sicher in der Touristenzone :-). Meine Pho hat gut geschmeckt, wobei ich es gerne etwas würziger hätte als hier üblich. Aber das ist ja bekanntlich Geschmackssache.

Die Pho kam zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Norden Vietnams auf. Die französichen Kolonialisten brachten Rezepte mit, deren Hauptzutat Rindfleisch war, das bis dahin selten gegessen wurde. Also wurden Rinder gezüchtet, geschlachtet und die besten Stücke verspeist. Übrig blieben jede Menge Knochen, Sehnen und zähes Fleisch. Die vietnamesischen Köche waren es gewohnt, ein Tier komplett zu verwerten. Sie kochten aus den Resten eine kräftige Brühe. Darin wurden die Fleischreste gegart und fertig war der Vorläufer der Pho.