Der Weltfrauentag war gestern, aber im Grunde sollte immer Weltfrauentag sein und Weltmännertag und Weltkindertag und Weltmenschentage. Es ist leider immer und überall noch notwendig, auf Ungleichheiten aufmerksam zu machen, ob in Vietnam oder in Deutschland. Hier schiessen die Blumenpreise in die Höhe, weil Männer allen Frauen im näheren Umfeld Blumen schenken wollen/müssen. Kochen tun sie aber abends trotzdem nicht.
Vor ein paar Tagen war ich im Frauenmuseum von Hanoi, das wirklich schön gemacht ist. Als ich wieder hinausging, war ich dankbar dafür, in meinem Land und zu meiner Zeit geboren worden zu sein. Keine harte Arbeit auf Reisfeldern, kein Studium, das die Eltern aussuchen, kein Leben in einem Zimmer und in einer Wohnung mit den Schwiegereltern, kein Vietnamkrieg. Einiges ist sicher in den Großstädten anders als auf dem Land, oder bei bestimmten Gruppen besser als bei anderen. Aber auch in Hanoi ist das Familienleben (auch räumlich) enger, lauter und traditioneller als wir es gewöhnt sind.
Etwa 88 % der Bevölkerung sind Vietnamesen, also Việt oder Kinh. Daneben sind 53 ethnische Minderheitengruppen anerkannt. Über einige davon gibt es Informationen im Frauenmuseum.



Zähne sind schwarz lackiert 

Fischernetze 
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Wenn ich in Hanoi Frauen sehe, dann geht es mir wie immer in dieser Stadt. Die Gegensätze sind unglaublich. Es gibt die Frauen mit den typischen spitzen Strohhüten, die überwiegend einfache (vermutlich auch schlecht bezahlte) Arbeit machen. Sie verkaufen Obst/Gemüse/Haushaltswaren, sie arbeiten auf dem Bau, sie fegen die Straßen, arbeiten als Reinigungskräfte oder in Gärten. Sie bauen Reis an, das ist ein Knochenjob. In der Großmarkthalle habe ich gesehen, wie sie unglaublich schwere Lasten geschleppt haben, da würde bei uns das Gesundheitsamt sofort eingreifen.
Dann gibt es die Frauen der Mittel- und Oberschicht, die in den Büros arbeiten, die gebildet und Kolleginnen von Anna sind. Es gibt die reichen Frauen, die es sich leisten können, in den luxuriösen Shopping Malls einzukaufen.
Sehr üblich ist der Drei-Generationen-Haushalt. Die Frau zieht nach der Hochzeit zur Familie des Mannes, sie heiratet also niemals nur den Mann, sondern immer die ganze Familie und das lebenslänglich. Die Generationsunterschiede bergen Konfliktpotenzial, können aber auch eine Bereicherung und Hilfe sein. Erwartet eine Frau ein Kind, so wünscht sie sich einen Jungen, weil sie weiß, dass Jungen es später einfacher haben. Außerdem glauben noch immer viele Männer, dass es ein Zeichen ihrer Männlichkeit ist, Söhne zu zeugen. In kaum einem Land werden so viele Mädchen abgetrieben wie in Vietnam, obwohl eine Abtreibung wegen des Geschlechts verboten ist.
Übrigens sind 80 % aller Lehrer in Vietnam weiblich, weil Vietnamesen glauben, dass 1. Männer nicht geduldig genug mit Kindern sind und 2. Lehrer ein sehr einfacher Job sei. Da könne man sich gut nebenbei noch um die eigenen Kinder kümmern. (Aussage eines Vertreters des Bildungsministeriums).





