Die Franzosen haben in ihrer Besatzungszeit der Stadt ihren Stempel aufgedrückt und der ist heute noch gut sichtbar. Sie kamen 1883 nach Hanoi, das damal 150.000 Einwohner hatte (heute 7 Mio.), und verpassten der Stadt ein europäisches Flair. Stadtteile wurden zerstört, Seen und Kanäle aufgeschüttet oder verkleinert. Man brauchte Platz für breite, baumgesäumte Alleen und die Oper, Kirchen, öffentliche Bauten und Luxusvillen. Hanoi sollte das Paris Asiens werden. Das endete 1940 mit der Eroberung durch Japan, auch wenn die Verwaltung des Landes bis Anfang 1945 in der Hand der Franzosen blieb. 1945 folgt die Ausrufung der Demokratischen Republik Vietnam (DRV) durch die Provisorische Regierung unter Präsident Ho Chi Minh in Hanoi. Die Franzosen blieben aber und es begann der Indochinakrieg. Soweit die Geschichte bis dahin.
Auch die Sprache hat französiche Anteile behalten, so heißt z.B. Bahnhof ga xe (von franz. gare) oder Käse pho mát (von franz. fromage). Ausgesprochen wird es ganz anders als geschrieben, das ist ja hier mein Problem. Man kann auch heute noch an jeder Ecke Baguette kaufen. Da ist allerdings mehr Luft drin als Teig.
Ich habe meinen Spaziergang gestern bei der Oper gestartet und bin dann die Rue Paul Bert entlanggelaufen. So hieß die Flaniermeile bei den Franzosen, heute ist es die Trang Tien. Die Oper wurde von 1901-1911 gebaut und ist dem Pariser Opernhaus nachempfunden. Ich werde demnächst dort ein Konzert besuchen.


Opernhaus, das offiziell Stadttheater heisst 
Auf dem gesamten Weg ist ein Prachtbau nach dem anderen. Oft beherbergen sie heute Ministerien, Botschaften oder Museen. Es läuft sich sehr entspannt, es gibt breite Bürgersteige, die (meist) nicht von Mopeds zugeparkt sind, auch mal schön. Die Geschäfte sind entsprechend größer und moderner, natürlich ist auch alles teurer. Das Viertel ist übrigens direkt um die Ecke vom Old Quarter und die Strecke führt auch am Hoan Kiem See entlang.


Arbeitsministerium 
Hotel von 1901 

Zu dieser Epoche gehört auch die St. Josephs Kathedrale, auch wenn sie nicht an dieser Straße liegt. Auch hier wurde die Pariser Kathedrale Notre Dame als Vorbild genommen. Sie wurde 1886 eingeweiht und ihr musste eines der bedeutendsten buddhistischen Heiligtümer der Stadt weichen. Die Kathedrale wirkt sehr düster und man kann sie nicht besichtigen.

