Vietnamesen in Hanoi

Ich habe (außer zu My und Sung) keinen Kontakt zu Vietnamesen. Trotzdem sehe ich sie natürlich jeden Tag. Hier eine kleine, unvollständige Aufstellung, was mir so alles aufgefallen ist – ohne Anspruch auf empirische Qualität.

Ich bin schon mehrfach von Jugendlichen angesprochen worden, ob ich bereit wäre, mich mit Ihnen fotografieren zu lassen. Ich habe keine Ahnung, woran das liegt. Manchmal denke ich, es sind meine lockigen Haare. Das gibt es bei den Vietnamesen nicht. Wenn ich bei meinen Erkundungsgängen in eine Gruppe von Schülern gerate, und das passiert mir regelmäßig, dann werde ich umringt und viele rufen Hello oder Whats’s your name. Dann komme ich mir manchmal vor wie früher ein Missionar in Afrika.

Jeder Hanoier tut ständig irgendwas. Sie wirken ungeheuer fleissig. Es wird verkauft, gefegt, bewacht, gefahren, gesammelt und transportiert. Alle versuchen, irgendwie zu Geld zu kommen und das jeden Tag. Nebenan wird ein neues, mehrgeschossiges Haus gebaut. Die Bauarbeiter und Bauarbeiterinnen wohnen während dieser Zeit in der Baustelle. Sie waschen dort ihre Wäsche und schlafen auf dem Betonfussboden. Friseure bedienen ihre Kunden direkt an der Straße. Schuhputzer putzen in der typischen Hockstellung; meist sehe ich den Besitzer der Schuhe nicht, man kann sie also offensichtlich abgeben. Männer sehe ich hier oft im Sicherheitsdienst. Irgendwas muss immer bewacht oder beaufsichtigt werden, sei es der Eingang zu einem Gebäude oder die Mopeds auf dem Bürgersteig.

Scheint hier ein Lebensmotto zu sein

Die Menschen stehen früh auf und viele gehen dann zum Tai Chi an den See. Dann sind sie natürlich mittags müde und machen ein Schläfchen und zwar überall. Das kann am oder auf dem Schreibtisch sein, im Großmarkt auf Stoffballen, direkt auf den kleinen Stühlen oder im Geschäft auf dem blanken Boden. Hanoier sind es gewohnt, auf Bambusmatten zu schlafen. Die Mopedfahrer schlafen direkt auf ihrem Moped, Beine über den Lenker, Kopf auf den Sitz.

Ich sehe immer wieder Männer mit sehr langen Fingernägeln. Fast ein wenig eklig. Nun könnte das bedeuten, dass ein Mann in Hanoi nicht mit einem Reisbauern in einen Topf geworfen werden möchte. Es scheint aber einfach eine Art Mode zu sein. Frauen fahren dafür gerne mal mit Highheels auf dem Moped.

Wo immer man ist, es ist laut. Scheint daher zu kommen, dass so viele Familienmitglieder in einer Wohnung leben und eine Schulklasse auch mal 60 Schüler haben kann. Hupen ist Pflicht und man erschrickt auch nach einer Zeit nicht mehr über den quälenden Ton der Mopeds. Der Baulärm kommt dazu, das Hundegebell und schreiende Menschen, die das so nicht empfinden.

Man sagt ja immer, man soll sich mit Händen und Füssen unterhalten, wenn man die Sprache nicht spricht. Das kann aber hier auch in die Hose gehen. Die Geste zum Heranwinken wirkt, als wolle man, dass jemand geht.

Die Menschen sind ungeheuer kinderfreundlich und betatschen ungefragt Kindergesichter und Haare. Ich fahre mit Lea immer ganz schnell weiter, wenn sich eine Hand nähert. Die Vorstellung, dass Kinder das nicht immer mögen, gibt es hier nicht.

Der zweiteilige Schlafanzug ist ein Kleidungsstück, das man öfter auf der Straße sieht, Er gilt als bequem und schick und heisst hier Hauskleidung. Genauso oft sind Gummilatschen vertreten, was mich nicht wundert, weil es öfter mal regnet und die schlechten Straßen und Straßenränder dann voller Pfützen sind. Merkwürdigerweise sind die Schuhe oft viel zu groß.