Ich war zwar schon recht häufig am benachbarten Hoan Kiem See, aber im Old Quarter war ich erst ein Mal. Es wird auch das Viertel der 36 Gassen genannt, da es früher 36 Gilden gab, die ihre gleichartigen Waren immer in einer Straße verkauften. Auch heute noch sind die Straßen nach Warengruppen aufgeteilt, es gibt aber inzwischen 50 Gassen. Die Namen der Straßen beginnen mit Hang (= Handelsware). Anschließend wird der Warenname angehängt, z. B. Hang Non für Hüte, Hang Dao für Seide, Hang Bun für Nudeln, Hang Ca für Fisch oder Hang Thuoc Bac für die Kräutermedizin. Es ist ein Ort, der vor Energie sprüht. Die mehr als 2 Millionen Motorroller Hanois scheinen sich hier zu treffen und sie fahren auch dann durch die Gassen, wenn eigentlich kaum noch ein Fußgänger durchpasst.
Ich hatte mir vorgenommen, die Gassen alle zu durchwandern und mir zu merken, welche Waren heutzutage angeboten werden. Das ist natürlich nicht gelungen. Man verliert ganz schnell die Orientierung und als ich das dritte Mal in der Gasse für Nähutensilien gelandet bin, habe ich aufgegeben. Einen Eindruck habe ich trotzdem bekommen. Es ist schon eigenwillig, wenn in einer Straße alle Händler die gleichen Waren verkaufen. So wie die Gasse der Schuhe sehen auch die folgenden Gassen aus, ein Laden dicht am anderen. Konkurrenz belebt das Geschäft.




Schuhe über Schuhe, ich war überfordert und habe keine gekauft

Tüttelkram zum Annähen 
Das sind übrigens alles Knöpfe 
Reissverschlüsse

Alles für die Suppenküche 

Und so geht das dann immer weiter mit einer Gasse für Gewürze, für Metallwaren, für Kinderspielzeug, für Klamotten, für Pagodenzubehör oder für Fleisch. Etwas stutzig hat mich der folgende Laden gemacht, den es nur zweimal gab. Werden da tatsächlich gebrauchte Grabsteine verkauft oder ist das einfach ein Gestaltungsbeispiel?
Ein ganz klein wenig noch zur Geschichte des alten Viertels. Das frühere Handelszentrum von Hanoi bestand ursprünglich aus einer Vielzahl von kleinen Wasserstraßen und Kanälen. Die Altstadt war eine autarke Stadt in der Stadt, geschützt von Wällen, Stadttoren und Deichen. Während des 19. Jahrhunderts wurden viele der Wasserwege zugeschüttet und zu Straßen umfunktioniert. Geblieben ist ein Geflecht aus engen Gassen, schmalen Straßen und noch schmaleren Häusern. Die ältesten Gebäude sind nur wenige Meter breit, aber bis zu 80 Meter tief, sogenannte Tunnelhäuser. Eine Wohn- und Lebenskultur, die immer mehr Menschen aufgeben, denn durchschnittlich stehen einer Familie mit 10 Personen gerade einmal 21 m² Fläche zur Verfügung, wobei die sanitären Anlagen meist mit anderen Haushalten zu teilen sind.
Ganz zum Schluss nochmal ein Film vom Straßenverkehr, weil es soviel Spaß macht. Gefilmt vom touristischen Hotspot, einem Restaurant im 1. Stock. Und um mal meinen Vorurteilen freien Lauf zu lassen, tippe ich bei den Touristen am Schluss des Films auf Australier oder Briten :-).




