Parks

Ich bin jetzt schon so lange hier, dass ich alle touristischen Highlights abgeklappert habe. Ausserdem wird es immer heisser und ich suche den Schatten. Also habe ich angefangen, die Parks von Hanoi aufzusuchen. Das ist im wesentlichen für alle interessant, die sich mal länger in dieser Stadt aufhalten und ein ruhiges Plätzchen suchen. Alle Parks haben einen See.

Der Thong Nhat Park liegt zentral, ist einigermaßen groß und man kann wunderbar um den See herumlaufen. Mit Kindern ist er perfekt, weil es jede Menge Kinderattraktionen und einen großen Spielplatz gibt. Tretboote in Schwanengestalt gibt es auch. Die vollkommene Stille sollte man nicht erwarten, weil die Straße nicht weit weg ist und um den Park herum führt. Aber das ist hier meistens so. Bei meinem ersten Besuch war im Park auch sein sehr schöner Markt mit netten Klamotten.

Der Yen So Park und der Gamuda-Park liegen nebeneinander und sind zusammen sehr, sehr groß. Da kann man ein paar Stunden laufen. Habe ich aber wegen der großen Hitze nicht gemacht. Man muss mindestens 45 Minuten mit dem Taxi fahren, aber dann ist es hier wirklich schön. Der Park wirkt sehr europäisch, die Wege sind aus Holzplanken, es gibt nette, kleine Cafés und es ist verhältnismäßig ruhig. Allerdings gibt es nichts speziell für Kinder.

Der Botanical Garden ist nur 20 Minuten (mit dem Auto) von meinem Zuhause entfernt. Warum er so heisst, weiss ich allerdings nicht. Vielleicht habe ich aber auch die botanischen Besonderheiten nicht erkannt. Es ist ein ganz normaler, kleiner Park, in dem man sich gut mal ein bisschen ausruhen kann.

Der Indira Ghandi Park ist in meinem Ranking am Ende. Er ist laut, klein und hat nichts besonderes zu bieten, ausser ein paar Bänken am See, der auch klein ist. Trotzdem, wenn man in die richtige Richtung schaut, ist es auch ganz nett.

Gestern war ich im Hanoi Museum, da m.E. keinen Besuch wert ist, es sei denn, man interessiert sich speziell für vietnamesische, moderne Künstler. Einige ganz schöne Bilder hängen im 3. Stock. Der Rest ist vietnamesische Geschichte, die ich in anderen Museen schon besser gesehen habe. Das Gebäude selber ist allerdings ganz interessant. Ich bin eigentlich auch hingefahren, weil rundherum ein Park mit mehreren Seen ist. Aber der Zugang zum Park ist versperrt. Ein Teil ist restricted area, warum auch immer, ein anderer Teil gehört zum Marriot Hotel. Da könnte man natürlich einfach mal reinmarschieren, aber es gibt ja überall security.

Warum heissen so viele Nguyen?

Anders als in Deutschland gibt es in ganz Vietnam nur etwa 300 verschiedene Nachnamen. Mit knapp 40 Prozent macht der Familienname Nguyen (das g wird nicht ausgesprochen) diesbezüglich den Löwenanteil aus. Die Träger des Namens sind aber meist nicht miteinander verwandt. Es ist gebräuchlich, familienspezifische Beinamen an den Namen Nguyen anzuhängen, so dass verschiedene Nguyen-Familien unterschieden werden können. Da der Familienname vor den Vornamen gesetzt wird, ist diese Beifügung ein wichtiges Element, um Konfusionen vorzubeugen.

Der Grund für die Verbreitung des Namens ist hauptsächlich in der bewegten Geschichte Vietnams zu suchen. Bereits 1232 wurden die Mitglieder einer besiegten Dynastie gezwungen, den Namen Nguyen anzunehmen, damit man sie besser erkennen und demütigen konnte. Aber wie es so ist, der Sieger wurde später selber besiegt und weil jetzt Racheakte befürchtet wurden, nahmen sie auch den Namen Nguyen an, um unerkannt zu bleiben. In den folgenden Jahrhunderten sicherte sich der Nguyen Clan eine Machtstellung im südlichen Vietnam. Während der Nguyen Dynastie wurde der Familienname Nguyen als Zeichen der Wertschätzung an zahlreiche Personen und Familien verliehen. Diese Praxis übernahmen jedoch auch Kriminelle, die sich durch die Annahme des Namens erhofften, der Justiz zu entgehen. Sie trugen auch zur heutigen Verbreitung des Namens bei.

Durch die häufige Verwendung des Nachnamens ist er auch außerhalb Vietnams in zahlreichen Ländern vorzufinden, in welche Vietnamesen immigriert sind. Tatsächlich ist der Name Nguyen in Australien der 7. häufigste Familiennamen. In Melbourne findet man sogar nur den Namen Smith häufiger als den Namen Nguyen. Doch auch in Europa gibt es Länder, in denen der Name vergleichsweise häufig vorkommt.

Feiertage

Die Vietnamesen hatten mal die wenigsten Feiertage weltweit. Das wurde 2007 geändert, als man sich wieder an die Hung-Könige erinnerte. Ansonsten ist es mit den Feiertagen wie bei uns. Es gibt einige, an denen ist schul- und arbeitsfrei und an den anderen verdient die Blumen-, Süssigkeiten- oder Verkleidungsindustrie.

Neben Tet (chinesisches Neujahrsfest, dauert fast 1 Woche) und dem Fest der Hung-Könige, die sich am Mondkalender orientieren, kennt man noch drei weitere Feiertage, darunter das westliche Neujahrsfest am 1. Januar. Der Tag der Hung-Könige fiel in diesem Jahr auf den 14. April. Dies war ein Sonntag und deshalb war am Montag schul- und arbeitsfrei. Die meisten Geschäfte in der Stadt hatten trotzdem geöffnet.

Das Fest der Wiedervereinigung Vietnams am 30. April wird mit dem darauffolgenden Tag der Arbeit am 1. Mai zu einem doppelten Feiertag kombiniert. An beiden Tagen finden häufig Paraden, Volksfeste und kulturelle Veranstaltungen statt. Montag, der 29. April, wird in diesem Jahr oft als Brückentag frei genommen, weil dadurch ein sehr langes Wochenende entsteht. Viele nutzen das für einen Kurzurlaub, wir auch. Ich fliege mit der Familie nach Hoi An.

Letzter und nach Tet wichtigster Feiertag in Vietnam ist der Nationalfeiertag am 2. September. Dieser geht auf den 2. September 1945 zurück, als Ho Chi Minh die Unabhängigkeit der Republik Vietnam von der französischen Kolonialmacht erklärte.

Es gibt noch 9 weitere Festage pro Jahr und dazu zählen u.a. der Valentinstag, der Tag der vietnamesichen Frauen, Halloween und Weihnachten. An diesen Festtagen ist Schule und alle Geschäfte sind offen.

Die christlichen Feiertage sind in Vietnam nicht bekannt, obwohl Weihnachten mit jedem erdenklichen Kitsch gefeiert wird. Haben die Vietnamesen einfach übernommen, weil es so schön ist. Aber Ostern kommt in Hanoi nicht vor.

Tiere

Wenn es nach der Anzahl geht, müssten wohl Kakerlaken und Ratten die Symboltiere von Vietnam sein. Ich habe trotz dieser Kenntnisse bislang nur ein paar tote Ratten gesehen und keine Kakerlaken. Gibt es vielleicht mehr im Old Quarter, wo die Märkte sind? Zur Ratte haben die Vietnamesen ein wesentlich entspannteres Verhältnis als wir, sie gilt als kreativ, charmant und intelligent und gehört zu den Tierkreiszeichen.

Ein bisschen Vogelgezwitscher gibt es manchmal, aber in Kriftel ist mehr los. Vögel in Käfigen sehe ich öfter. Sie werden zu bestimmten Anlässen freigelassen, weil das Glück bringen soll und gelten als kulinarische Spezialität.

Die einzige Katze, die ich hier kenne, heißt Spoty und lebt beim Nachbarn. Katzen gibt es wesentlich seltener als Hunde. Am See schwirrten abends Fledermäusen, als ich Felix bei einem Freund abholte. Die sind ganz schön schnell. Im Tümpel auf der anderen Straßenseite gibt es Frösche. Die sind nicht sehr groß, machen aber nachts einen Höllenlärm. Jedenfalls bin ich von dem Gequacke schon manchmal wach geworden.

Seit es draussen so heiss geworden ist, zirpen abends die Grillen. In meinem Bad hatte ich einmal einen kleinen Gecko an der Decke, ansonsten ist mein Zimmer tierfrei. Was auch gut ist, denn Fliegen und Mücken sind sehr verbreitet. Letzten Mittwoch war ich an Felix Schule von Fliegen umgeben und fühlte mich wie im afrikanischen Busch. Sehr lästig! Egal, ob ich mich einsprühe oder nicht, ich werde immer irgendwo gestochen, sobald ich unterwegs bin. Die Stiche sind winzig und jucken tagelang. Die Mücken sind hier sehr schlau.

Im Westlake wird fleissig gefischt, ich würde aber niemals wissentlich einen Fisch von dort essen. Der See macht keinen sauberen Eindruck und es gab auch schon Probleme, weil da alles mögliche reingeleitet wird. Darüber hatte ich schon mal berichtet bei Rund um den Westlake.

Hühner laufen überall herum. Vorgestern habe ich unfreiwillig eine Schlachtung gesehen. Das ist eine sehr robuste Angelegenheit. Anschließend werden die gefiederten Tiere durch einen Trichter gedreht, um sie auszubluten. Dann werden die Federn abgezupft und schon liegen die Hühner zum Verkauf auf dem Holztisch. Ästhetischer ist es bei uns ganz sicher auch nicht, nur weniger öffentlich und maschinell. Hier findet das eben am Straßenrand statt und die Oma hilft mit. Ausserdem werden hier alle Teile des Tieres weiterverwertet.

Der Wasserbüffel ist das Symboltier der Landbevölkerung, in Hanoi gibt es keine. Die folgenden Fotos habe ich von Anna und Rainer, die bei ihren Touren nicht nur dem Wasserbüffel begegnet sind. Ich habe bei meinem 5tägigen Ausflug auch einige gesehen, war aber nicht schnell genug mit dem Fotoapparat.

In Hanoi gibt es auch einen Zoo, der ist aber keinen Besuch wert. Das Beste ist noch der See, an dem er liegt. Die Tiere sind in einem erbarmungswürdigen Zustand und die Käfige sind zu klein und teilweise schmutzig. Der meiste Platz wird für Fahrgeschäfte und andere Attraktionen für Kinder verwendet. Angeblich ist die Sensation ein rauchender Affe, der von den Besuchern mit Zigaretten „gefüttert“ wird. War aber bei meinem Besuch nicht so, GottseiDank. Ich wollte da nicht viel fotografieren.

Fahren oder laufen

Für die Hanoier ist die Antwort ganz einfach: Fahren. Hier geht nur, wer muss….. oder ich eben, weil ich einfach gerne laufe. Sehr deutsch. Es gibt tatsächlich mehr Bürgersteige als ich anfangs dachte, allerdings kann man nur sehr selten auf ihnen gehen, da sie als Mopedparkplatz genutzt werden. Die Bürgersteige werden auch ganz oft als Parkplätze vermietet. Da sitzt dann jemand und passt auf die Zweiräder auf und parkt sie ggf. auch um. Am See, wo man eigentlich schön laufen könnte, werden auf dem Bürgersteig Bäume gepflanzt und andere Hindernisse aufgebaut.

Ich bin einmal mit dem Mopedtaxi nach Hause gefahren. Die gibt es hier wie Sand am Meer. Oh je, wie machen die das bloß hier. Da stirbt man ja tausend Tode auf diesem Ding. Das Auto oder zu Fuß bleiben meine priorisierten Fortbewegungsmittel.

Es gibt in Hanoi richtig breite Straßen, aber noch mehr gibt es verwinkelte kleine Gassen, immer mit Auto- und Mopedverkehr – man glaubt es manchmal kaum.

Natürlich gibt es auch hier Waschanlagen, wenn die auch etwas anders aussehen als bei uns. Tankstellen für Autos gibt es nicht an jeder Ecke, da muss man schon wissen, wo die sind. Aber für die Mopeds ist das natürlich anders, sonst würde hier alles zusammenbrechen. Der Liter Superbenzin kostet hier im Schnitt umgerechnet 70 cent. Anders wären die günstigen Preise für das Taxi auch nicht zu erklären.

Einkaufen, Teil 3 – Allerlei

Es gibt in Hanoi alles, man muss nur wissen, wo. Spültabs für den Geschirrspüler gibt es zum Beispiel nicht überall, weil hier normalerweise mit der Hand gespült wird. Aber es gibt Geschäfte, die europäische Artikel verkaufen. Im folgenden ein paar Fotos von Geschäften, wie sie hier typisch sind.

 

Töpferdorf Bat Trang

Wir waren zwei Mal in Bat Trang, einem Stadtteil, der auch als Töpferdorf bezeichnet wird. Seit dem 14. Jahrhundert wird dort Keramik produziert. Es gibt unzählige Geschäfte, in denen man getöpfertes Geschirr kaufen kann, aber auch Vasen für die Pagoden. Auch wenn das auf meinen Fotos nicht so rauskommt, aber da sind sehr geschmackvolle und schöne Stücke dabei.

Wer mag, kann auch selber etwas töpfern. Felix hatte sehr viel Freude daran. Das Ergebnis wurde sofort gebrannt und er konnte den Becher mitnehmen. Lea hat derweil kleine Figuren angemalt, Anna und Rainer haben ihren Geschirrbestand erweitert und ich habe mir eine kleine Vase gekauft. Mehr geht leider nicht auf einer Flugreise.

Banana Island

Die Bananeninsel liegt im roten Fluss, der durch Hanoi fließt, und ist ca. 6 km lang. Da es dort keine Autos gibt, kann man auf ihr prima laufen. Außerdem weiß ich jetzt, dass mein Kreislauf 1a ist und ich auch bei 31 Grad im Schatten nicht umkippe. Auf die sehr zentral gelegene Insel kommt man über die Long Bien Brücke. Die Brücke ist nur für den Zug und Motorräder befahrbar. Der schmale Fußweg ist mit wackeligen Platten belegt und das Geländer auf jeden Fall nichts für Kinder. Man sollte besser schwindelfrei und robust sein, um bis zum Treppenabstieg zu gehen. Ich war auch die einzige, die zu Fuß unterwegs war.

Die Insel habe ich später über eine zweite kleine Brücke verlassen, die direkt wieder aufs Festland führt. Die wird von den meisten als Inselzugang genutzt. Allerdings ist es hier nicht gerade idyllisch, da einige Recyclinghöfe vor der Brücke liegen und man das Gefühl hat, durch einen Müllhaufen zu laufen. Mit anderen Worten, der Zugang ist nicht so prickelnd, aber wenn man das mal geschafft hat, dann ist die Insel eine wirkliche Überraschung.

Sobald man in die Bananenplantagen eintaucht, hat man das Gefühl, in einer völlig anderen Welt zu sein. Es ist ruhig, selten mal ein Moped, aber dafür Schmetterlinge. Es wird Gemüse und Obst angebaut und alles wirkt friedlich. Üppige Natur im Zentrum von Hanoi. Das war wirklich eine Überraschung!

Hoan Kiem See bei Tag und Nacht

Der Hoan-Kiem-See liegt im Zentrum von Hanoi. Jeder Besucher kennt ihn, weil er ein Entspannungspunkt in der wuseligen Altstadt ist. Die dreistöckige Schildkröten-Pagode aus dem fünfzehnten Jahrhundert in der Mitte des Sees ist bis heute das Wahrzeichen von Hanoi. Um die Pagode rankt sich eine Sage, die von einer goldenen Schildkröte, einem armen Fischer und einem Zauberschwert handelt. Sagen sind doch auf der ganzen Welt sehr ähnlich.

Schildkröten haben für den See eine besondere Bedeutung. 1968 wurde eine 2,10 m lange, 250 kg schwere und etwa 400 Jahre alte Schildkröte aus dem See geborgen. Sie ist im Jadeberg-Tempel ausgestellt, den man besichtigen kann, wenn man über die kleine rote The-Huc-Brücke geht. Ich habe leider bei meinem Besuch vergessen, gezielt darauf zu achten. Mal sehen, vielleicht hole ich das noch nach. Im See lebte bis Januar 2016 zudem ein Exemplar einer seltenen Weichschildkrötenart.

Ein Mal habe ich mir die Altstadt auch in der Dunkelheit angeschaut und bin um den See gelaufen. Sobald am Freitag Abend um 19 Uhr die Straßen gesperrt werden, beginnt ein unglaublicher Rummel. In einigen Straßen werden Nachtmärkte aufgebaut und in anderen ist eine Kneipe neben der anderen, hauptsächlich besucht von Touristen. Rund um den See war es ganz schön, aber in der Altstadt war mir entschieden zu viel los. Immerhin habe ich einen sehr leckeren Avocadosaft getrunken, der überhaupt nicht nach Avocado schmeckte.

Schul- und Sportfeste

An der UNIS ist immer was los. Schul- und Sportfeste, internationale Fussballturniere, offener Unterricht (Eltern/Grannies dürfen zuhören), Schüler zeigen die Schule, Kunstausstellungen, Musicals.

Das Schulfest Spring Fair war an einem Samstag und die Eltern der verschiedenen Nationen waren aufgerufen, einen entsprechenden Stand zu organisieren. Die deutsche Community entschied sich für Kuchen, Bier und deutsche Wurst. Also habe ich einen Kuchen gebacken, der sich sehr gut verkaufte :-).

Die Vielfalt der verschiedenen Speisen war riesig. Jeder Kontinent war vertreten. Außerdem gab es auf einer Bühne eine Aufführung nach der anderen, von Bauchtanz über klassische Musik bis zu Hip Hop war alles vertreten.

Das Sportfest der UNIS fand während der Woche an einem Schultag statt. Das ist eine sehr lustige und laute Angelegenheit. Musik wird sowieso bei jedem Anlass in ordentlicher Lautstärke gespielt. Jedes Kind ist vom Schulstart an einer Gruppe zugeordnet, die nicht der eigenen Klasse entspricht, so dass sich übergeordnete Gruppierungen ergeben. Felix ist Tiger, es gibt aber u.a. auch Eagle und Dragon. Schüler der Gruppen gehen auf dem Sportgelände von Aktivität zu Aktivität. Es zählt in keinem Fall ein Einzelsieg, sondern immer nur das Gruppenergebnis. Jeweils 2 Gruppen treten gegeneinander an.

Zum Musical gehen wir am Samstag auch!