Fahren oder laufen

Für die Hanoier ist die Antwort ganz einfach: Fahren. Hier geht nur, wer muss….. oder ich eben, weil ich einfach gerne laufe. Sehr deutsch. Es gibt tatsächlich mehr Bürgersteige als ich anfangs dachte, allerdings kann man nur sehr selten auf ihnen gehen, da sie als Mopedparkplatz genutzt werden. Die Bürgersteige werden auch ganz oft als Parkplätze vermietet. Da sitzt dann jemand und passt auf die Zweiräder auf und parkt sie ggf. auch um. Am See, wo man eigentlich schön laufen könnte, werden auf dem Bürgersteig Bäume gepflanzt und andere Hindernisse aufgebaut.

Ich bin einmal mit dem Mopedtaxi nach Hause gefahren. Die gibt es hier wie Sand am Meer. Oh je, wie machen die das bloß hier. Da stirbt man ja tausend Tode auf diesem Ding. Das Auto oder zu Fuß bleiben meine priorisierten Fortbewegungsmittel.

Es gibt in Hanoi richtig breite Straßen, aber noch mehr gibt es verwinkelte kleine Gassen, immer mit Auto- und Mopedverkehr – man glaubt es manchmal kaum.

Natürlich gibt es auch hier Waschanlagen, wenn die auch etwas anders aussehen als bei uns. Tankstellen für Autos gibt es nicht an jeder Ecke, da muss man schon wissen, wo die sind. Aber für die Mopeds ist das natürlich anders, sonst würde hier alles zusammenbrechen. Der Liter Superbenzin kostet hier im Schnitt umgerechnet 70 cent. Anders wären die günstigen Preise für das Taxi auch nicht zu erklären.

Einkaufen, Teil 3 – Allerlei

Es gibt in Hanoi alles, man muss nur wissen, wo. Spültabs für den Geschirrspüler gibt es zum Beispiel nicht überall, weil hier normalerweise mit der Hand gespült wird. Aber es gibt Geschäfte, die europäische Artikel verkaufen. Im folgenden ein paar Fotos von Geschäften, wie sie hier typisch sind.

 

Töpferdorf Bat Trang

Wir waren zwei Mal in Bat Trang, einem Stadtteil, der auch als Töpferdorf bezeichnet wird. Seit dem 14. Jahrhundert wird dort Keramik produziert. Es gibt unzählige Geschäfte, in denen man getöpfertes Geschirr kaufen kann, aber auch Vasen für die Pagoden. Auch wenn das auf meinen Fotos nicht so rauskommt, aber da sind sehr geschmackvolle und schöne Stücke dabei.

Wer mag, kann auch selber etwas töpfern. Felix hatte sehr viel Freude daran. Das Ergebnis wurde sofort gebrannt und er konnte den Becher mitnehmen. Lea hat derweil kleine Figuren angemalt, Anna und Rainer haben ihren Geschirrbestand erweitert und ich habe mir eine kleine Vase gekauft. Mehr geht leider nicht auf einer Flugreise.

Banana Island

Die Bananeninsel liegt im roten Fluss, der durch Hanoi fließt, und ist ca. 6 km lang. Da es dort keine Autos gibt, kann man auf ihr prima laufen. Außerdem weiß ich jetzt, dass mein Kreislauf 1a ist und ich auch bei 31 Grad im Schatten nicht umkippe. Auf die sehr zentral gelegene Insel kommt man über die Long Bien Brücke. Die Brücke ist nur für den Zug und Motorräder befahrbar. Der schmale Fußweg ist mit wackeligen Platten belegt und das Geländer auf jeden Fall nichts für Kinder. Man sollte besser schwindelfrei und robust sein, um bis zum Treppenabstieg zu gehen. Ich war auch die einzige, die zu Fuß unterwegs war.

Die Insel habe ich später über eine zweite kleine Brücke verlassen, die direkt wieder aufs Festland führt. Die wird von den meisten als Inselzugang genutzt. Allerdings ist es hier nicht gerade idyllisch, da einige Recyclinghöfe vor der Brücke liegen und man das Gefühl hat, durch einen Müllhaufen zu laufen. Mit anderen Worten, der Zugang ist nicht so prickelnd, aber wenn man das mal geschafft hat, dann ist die Insel eine wirkliche Überraschung.

Sobald man in die Bananenplantagen eintaucht, hat man das Gefühl, in einer völlig anderen Welt zu sein. Es ist ruhig, selten mal ein Moped, aber dafür Schmetterlinge. Es wird Gemüse und Obst angebaut und alles wirkt friedlich. Üppige Natur im Zentrum von Hanoi. Das war wirklich eine Überraschung!

Hoan Kiem See bei Tag und Nacht

Der Hoan-Kiem-See liegt im Zentrum von Hanoi. Jeder Besucher kennt ihn, weil er ein Entspannungspunkt in der wuseligen Altstadt ist. Die dreistöckige Schildkröten-Pagode aus dem fünfzehnten Jahrhundert in der Mitte des Sees ist bis heute das Wahrzeichen von Hanoi. Um die Pagode rankt sich eine Sage, die von einer goldenen Schildkröte, einem armen Fischer und einem Zauberschwert handelt. Sagen sind doch auf der ganzen Welt sehr ähnlich.

Schildkröten haben für den See eine besondere Bedeutung. 1968 wurde eine 2,10 m lange, 250 kg schwere und etwa 400 Jahre alte Schildkröte aus dem See geborgen. Sie ist im Jadeberg-Tempel ausgestellt, den man besichtigen kann, wenn man über die kleine rote The-Huc-Brücke geht. Ich habe leider bei meinem Besuch vergessen, gezielt darauf zu achten. Mal sehen, vielleicht hole ich das noch nach. Im See lebte bis Januar 2016 zudem ein Exemplar einer seltenen Weichschildkrötenart.

Ein Mal habe ich mir die Altstadt auch in der Dunkelheit angeschaut und bin um den See gelaufen. Sobald am Freitag Abend um 19 Uhr die Straßen gesperrt werden, beginnt ein unglaublicher Rummel. In einigen Straßen werden Nachtmärkte aufgebaut und in anderen ist eine Kneipe neben der anderen, hauptsächlich besucht von Touristen. Rund um den See war es ganz schön, aber in der Altstadt war mir entschieden zu viel los. Immerhin habe ich einen sehr leckeren Avocadosaft getrunken, der überhaupt nicht nach Avocado schmeckte.

Schul- und Sportfeste

An der UNIS ist immer was los. Schul- und Sportfeste, internationale Fussballturniere, offener Unterricht (Eltern/Grannies dürfen zuhören), Schüler zeigen die Schule, Kunstausstellungen, Musicals.

Das Schulfest Spring Fair war an einem Samstag und die Eltern der verschiedenen Nationen waren aufgerufen, einen entsprechenden Stand zu organisieren. Die deutsche Community entschied sich für Kuchen, Bier und deutsche Wurst. Also habe ich einen Kuchen gebacken, der sich sehr gut verkaufte :-).

Die Vielfalt der verschiedenen Speisen war riesig. Jeder Kontinent war vertreten. Außerdem gab es auf einer Bühne eine Aufführung nach der anderen, von Bauchtanz über klassische Musik bis zu Hip Hop war alles vertreten.

Das Sportfest der UNIS fand während der Woche an einem Schultag statt. Das ist eine sehr lustige und laute Angelegenheit. Musik wird sowieso bei jedem Anlass in ordentlicher Lautstärke gespielt. Jedes Kind ist vom Schulstart an einer Gruppe zugeordnet, die nicht der eigenen Klasse entspricht, so dass sich übergeordnete Gruppierungen ergeben. Felix ist Tiger, es gibt aber u.a. auch Eagle und Dragon. Schüler der Gruppen gehen auf dem Sportgelände von Aktivität zu Aktivität. Es zählt in keinem Fall ein Einzelsieg, sondern immer nur das Gruppenergebnis. Jeweils 2 Gruppen treten gegeneinander an.

Zum Musical gehen wir am Samstag auch!

Pflanzen

Für mich sind die vorherrschenden Farben in dieser Stadt grau und grün, das mag auch an dem dauerhaft bewölkten Himmel liegen. Die Stadt ist ziemlich zugebaut, so dass auf den ersten Blick die Pflanzen nicht so vorrangig sind. Ich wohne GottseiDank in einer Sackgasse und da stehen Büsche und Bäume vor meinem Fenster.

Die blühenden Pflanzen sind mir hier nicht so direkt ins Auge gestochen wie in manchen anderen Ländern, vermutlich weil es einfach zu viele andere Eindrücke gibt. Das Bäumchen mit den gelben Früchten ist ein Kumquatsbäumchen, auch wenn die Früchte wie Mandarinen aussehen. Essen sollte man diese Früchte aber nicht. Der Baum ist als Zierbaum sehr beliebt und damit er gut wächst und viele Früchte trägt, wird er kräftig gedüngt und besprüht. Er wird auch Tetbaum genannt, weil er zum Tetfest geschmückt wird und überall steht.

Die Bäume mit den hängenden Wurzeln heißen Banyanbäume. Man sieht sie hier überall.

Sobald man aus der Stadt rauskommt, sieht man überall Reisfelder. Die Natur erscheint mir üppiger und vielfältiger als in Hanoi.

Obst gibt es in toller Vielfalt, so z.B. Orange, Ananas, Longan, Pomelo, Drachenfrucht, Kokosnuss, Mango, Banane. Das sind zumindest die, die mir gerade einfallen und die ich hier öfter esse oder trinke.

Ein Dorf am Rand der Stadt

Co Loa ist inzwischen ein Stadtteil von Hanoi, liegt aber 20 km von meiner Wohnung entfernt. Es ist mehr Dorf als Städtchen und ich habe mich dort etwas seltsam gefühlt. Einsame Gassen, kaum Autos, wenig Mopeds, viele Felder und alte Frauen mit schwarzen oder wenigen Zähnen, die mich neugierig betrachteten. Die wollte ich aber nicht fotografieren. Vielleicht braucht man manchmal doch einen Fremdenführer. Ich bin also kreuz und quer durch die Gassen des Dorfs gelaufen, wurde von Schulkindern angehalten und fühlte mich etwas orientierungslos. Manchmal saßen Frauen an ihren Verkaufsständen und Männer spielten etwas, das aussah wie Mühle. Der Markt war schon fast abgeräumt, als ich ihn mehr zufällig fand.

Allerdings habe ich einen aussergewöhnlichen Friedhof entdeckt, den ich so noch nie gesehen habe. Ein Soldatenfriedhof war es glaube ich nicht, da die Todeszeitpunkte nicht passten. Erstaunt haben mich auch die zum Teil sehr schmuckvollen, manchmal auch kitschigen Häuser.

Eine Sehenswürdigkeit hat Co Loa allerdings schon, eine sehr schöne und ungewöhnliche Pagode. Die habe ich mir in Ruhe angeschaut. Dann wusste ich aber nicht so recht, was ich da noch soll. Ich fing an, mein Hanoi zu vermissen und war gespannt, ob es hier auch Grabfahrer gibt. Es hat etwas länger gedauert, aber geklappt. Ein interessanter Ausflug. Nordvietnam ist also nicht überall so wuselig und laut.

Kleine Bemerkung am Rande. Die öffentlichen Toiletten, die es in der Nähe von Pagoden aber auch in Markthallen gibt, sind manchmal wirklich öffentlich. Sie sind einfach, aber überwiegend sauber.

Literaturtempel und Zitadelle

Natürlich besuche ich auch alle touristischen Highlights. Einige kommen in meinem Blog bereits vor. Da die zwei folgenden in jedem Reiseführer und auf allen Internetseiten detailliert beschrieben sind, belasse ich es bei einer kurzen Zusammenfassung.

Der Literaturtempel ist gar kein Tempel. 1070 erbaut stellt die Anlage bis heute das Hauptheiligtum Vietnams dar. Es war die erste Akademie des Landes, in der zwischen 1076 und 1915 die Söhne der Mandarine und Hochbegabte der bürgerlichen Aristokratie unterrichtet wurden. Der Tempel besteht aus 5 Toren und 5 Innenhöfen. Unterrichtet wurde nach konfuzianischen Vorbildern.

Wer mehr wissen will: https://de.wikipedia.org/wiki/Literaturtempel_(Hanoi)

Die Zitadelle Thang Long ist das älteste Bauwerk der Stadt. Sie war der Sitz mehrerer vietnamesischer Kaiser-Dynastien, unter denen Thăng Long (der alte Name von Hanoi) zwischen 1010 und 1802 mit verschiedenen Namen Hauptstadt war. Im Jahr 2001 wurden 18 Teile des historischen Geländes wiederentdeckt. Seit 2002 werden archäologische Ausgrabungen durchgeführt. Der Zentralbereich der wurde 2010 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

Wer mehr wissen will: https://de.wikipedia.org/wiki/Zitadelle_Th%C4%83ng_Long


Philosophisches

Ich bin seit 2 Monaten hier, aber was ein Kulturschock ist, weiss ich immer noch nicht wirklich. Vielleicht bekomme ich den in Kriftel, wenn ich mitten im Berufsverkehr über die Straße laufen will oder einfach gegen den Verkehr in einen Kreisel fahre. Vielleicht werde ich mich auch wundern, warum bei uns alle Geschäfte Türen haben und dass man auf Bürgersteigen auch wirklich laufen kann.

Die Temperaturen klettern in die Höhe und unter 30 Grad wird es jetzt kaum noch. Selbst wenn mal ein bisschen Regen fällt, bleibt es heiss. Die Kleidung klebt am Körper und am liebsten hätte ich ein Meer in der Nähe – oder wenigstens einen Pool. Da ich alle relevanten Sehenswürdigkeiten bereits besucht habe, erkunde ich jetzt die Parks und Seen der Stadt.

Ich fühle mich sehr im Hier und Jetzt, wenn ich mich durch Hanoi treiben lasse. Muss ich aber auch, sonst werde ich überfahren oder trete in eine Vertiefung oder in Hundehinterlassenschaften. Heute war ich im Indira Ghandi Park, der am Thang Cong Lake liegt. Der Grabfahrer hat mich allerdings nicht dort abgesetzt, obwohl ich das als Ziel angegeben hatte, sondern vor der amerikanischen Botschaft. So musste ich also noch 600 m weiter laufen. Er konnte sich wohl nicht vorstellen, dass Touristen in Parks gehen.

Ich habe mir auch die Umgebung des Parks angeschaut und war wieder mal sprachlos. Ich bin durch einen Markt gelaufen, der vom Angebot und Geruch auch ins Mittelalter gepasst hätte. Jedenfalls in das, wie ich es mir manchmal vorstelle. Das Buch Das Parfum kam mir in den Sinn. In der Hitze wurden Fische ausgenommen, die Reste auf dem Boden verteilt, Fleisch lag zum Verkauf auf Holzbrettern, daneben wurde Suppe gekocht und Babykleidung sortiert. Es stank, was aber keinen der Verkäufer störte. Der Müll und Schmutz wurde ignoriert. Zwischen all den Ständen fuhren Mopeds und hockende Menschen unterhielten sich schreiend. Diese Stadt ist so laut, dass normale Lautstärke oft nicht funktioniert.

500 m später stehe ich vor dem Lotte-Center, einem Glaspalast mit Shopping-Mall, der allen europäischen Ansprüchen genügt. Auf dem Weg gibt es Verfall, sehr viele Baustellen (wie im Moment überall in Hanoi) und Hochhäuser. Die alten vietnamesischen Häuser machen keinen einladenden Eindruck. Auf den Balkonen hängt überall Wäsche. Sie wirken alle sehr düster.

Mir wird bewusst, wie wenig ich weiß. Wie gering meine Kenntnisse vom Leben der anderen Mitbewohner auf unserem Planeten sind. Wie viele Möglichkeiten es gibt, dieses Leben zu leben oder zu betrachten. Und nicht nur das Leben, auch den Tod. Wie viele Menschen mit völlig anderen Regeln, Zeremonien und Vorgaben aufwachsen. Das Internet öffnet auch hier den Blick in die Welt, weil selbst die Bauarbeiter oder Obstverkäufer ein Smartphone haben. Ich bin gespannt, wie dieser Blick die tief verwurzelten Lebensregeln verändern wird. Hier geht alles viel, viel schneller als bei uns. Vom Wasserbüffel zum Fahrrad zum Moped war ein weiter Weg, aber von da zum Smartphone ging es schnell. Ich werde das Land ab jetzt ganz anders im Auge behalten, wohl wissend, dass es auf dieser Erde noch jede Menge andere Länder gibt, von denen ich keine Ahnung habe.