Zu meinem Geburtstag hatte ich einen Besuch im Hanoier Opernhaus geschenkt bekommen. Anna, Rainer und ich haben eine wirklich bunte Mischung verschiedener Musikstile und diverser Komponisten gesehen: Music around the world. Es wurde gespielt, gesungen und getanzt u.a. zu Schwanensee, dem Barbier von Sevilla, Carmen oder dem Radezky Marsch. Das Publikum klatschte mit, filmte mit und war begeistert. Eine etwas undiszipliniertere Stimmung als bei uns und wenig Smartphone Hemmungen. Es hatte was sehr Lustiges. Wir haben uns insgesamt köstlich amüsiert und sind gut gelaunt nach Hause gegangen. Das Opernhaus selber ist so wie man sich ein altes Opernhaus vorstellt, viele Lüster, viel Plüsch und ein Saal mit guter Akustik. Es war schön, einen Abend mit Anna und Rainer zu verbringen.
Musik habe ich schon öfter gehört, ob auf der Straße, bei Veranstaltungen oder in Museen. Ein paar kleine Filme zeigen ein buntes Spektrum – auch mit außergewöhnlichen Instrumenten. Den fröhlichen Film habe ich auf einem Schulfest in Felix‘ Schule gedreht. Da gibt es jede Menge künstlerischer Talente.
Ich wusste nicht, dass es BoneyM. noch gibt. Leider, leider habe ich das Konzert verpasst ;-). Aber die Nachfolgeveranstaltung ist schon angekündigt.
Ich habe den Cho Hom Markt im Stadtteil Hay Ba Thung besucht. In der Nähe sind der Bay Mau und der Tien Quang See. Mit dem Auto fährt man ca. 40 Minuten. So, das habe ich jetzt nur für mich selber aufgeschrieben, damit ich später mal wiederfinde, wo ich so überall war. Das Interessante an der Gegend war die Ansammlung von Stoff- und Juweliergeschäften. Dazu ein ganzer Markt voller Stoffballen und eine Shopping Mall, in der es nur Schmuck aus Gold und Diamanten gibt. Das ist eigenwillig, dass es immer gleich ganz viel derselben Art gibt.
Als ich dann einen Bus gesehen habe, habe ich mein Vorhaben in die Tat umgesetzt, hier auch mal mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. Eine wunderbare Erfahrung. Bezahlt wird nicht beim Busfahrer, sondern bei einem separat mitreisenden Fahrkartenverkäufer. Gab’s bei uns in den 50er Jahren auch mal. Er hatte allerdings nicht viel zu tun, da die meisten Fahrgäste Monatskarten(?) hatten. Im Bus gab es laute Musik: auf kommunistische Gesänge folgte Cherry, Cherry Lady von Modern Talking, gesungen von einem Vietnamesen. Der Fahrt kostet umgerechnet 25 cent, ist ein Einheitspreis in Hanoi. Der Bus ist einfach, die Sitze hart und jede Bodenwelle ist deutlich spürbar. Diese Linie fährt alle 20 Minuten, manche Strecken werden sogar im 10-Minuten-Rhythmus befahren.
Zeit für ein Resümeé. Ich kann nach meinen ersten 6 Wohen nur sagen, dass ich keine Sekunde bereue. Hanoi ist ein besonderes Abenteuer. Die Stadt hat mich nicht so erobert wie San Francisco (SF), aber ich erinnere noch sehr genau, dass auch SF Schmuddelecken und viele Obdachlose hat. Hier ist es eher umgekehrt, es gibt auch schöne Ecken und keine (sichtbaren) Obdachlosen. Wenn ich meine Zeit hier mit meinem ersten Granny Aufenthalt in San Francisco vergleiche, kommen mir ganz eigenwillige Dinge in den Sinn.
In SF konnte ich mit Maia über die Straße gehen, ohne nach rechts oder links zu schauen. Die Autos hielten immer schon an, wenn wir noch 50 m von der Straße entfernt waren. Der Fußgänger hatte Vorrang. Hier muss man schon dem Autofahrer auf die Kühlerhaube springen, damit er anhält. Ich bin immer froh, wenn ich Felix sicher mit dem Fahrrad irgendwo abgeliefert habe.
In SF war es völlig normal, bei Dienstleistungen aller Art 15-20 % Trinkgeld zu geben, das war manchmal eine ganze Menge und mehr als wir im allgemeinen in Deutschland gewöhnt sind. In Hanoi ist Trinkgeld die Ausnahme. Ich hatte mal einen Rückgeldbetrag auf dem Tisch liegen gelassen, der wurde mir hinterhergebracht. Außerdem brauchte man in SF so gut wie nie Bargeld, alles konnte mit der Kreditkarte bezahlt werden. Das ist in Hanoi die absolute Ausnahme.
In SF stehen die Menschen mit viel Geduld in der Schlange an. Es gibt kein Drängeln und kein Meckern. Hier wird sich einfach nach vorne geschoben oder beim Anstehen völlig skrupellos überholt. Wenn man auch drankommen will, macht man am besten mit. Das ist nicht durchgängig so, kommt aber doch vor.
SF ist eine teure Stadt, das gilt für alles und jedes. In Hanoi sind die Lebenshaltungskosten für mich extrem günstig. In SF bin ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren, weil es eine günstige und zuverlässige Alternative war. Der Bus hielt vor der Tür, die Bahn, U-Bahn, Straßenbahn und Cable Car waren nicht weit. Hier fahre ich mit Grab, das ist viel preiswerter als bei uns die öffentlichen Verkehrsmittel. Es gibt auch hier Busse (allerdings auch nur die), aber die Haltestelle ist recht weit weg.
In SF war der Himmel fast immer strahlend blau, das dazugehörige Wetter konnte von eiskalt bis richtig heiss sein. Hier ist der Himmel fast immer grau und wolkenverhangen, beim dazugehörigen Wetter ist es aber das Gleiche, na ja eiskalt wird es hier nicht, aber bis 18 Grad kühl. Ich weiß jedenfalls jetzt, was man unter subtropisch versteht.
In SF kannte ich mich nach 6 Wochen so gut aus, dass ich nur noch selten einen Stadtplan brauchte. Die Stadt ist mit ihren 800.000 Einwohnern recht übersichtlich. Hier gelingt mir das nicht. Ich habe zwar den Überblick in Tay Ho und kann inzwischen auch schon einige Straßennamen richtig aussprechen, aber darüber hinaus bin ich auf Navigation unbedingt angewiesen, sonst wüsste ich oft nicht, wo ich überhaupt grade bin.
Mit meinen Familien hatte ich in beiden Städten großes Glück. Da gibt’s echt nix zu meckern :-).
Neben dem Ho Chi Minh Mausoleum ist der Präsidentenpalast. Der einstige Dienstsitz des französischen Generalgouverneurs ist nicht für Besucher zugänglich. Es ist ein sehr schönes Kolonialgebäude, das von einem deutschen Architekten entworfen und 1908 fertiggestellt wurde. Es wird für politische Empfänge genutzt, Kim Jong Un und Donald Trump haben sich hier getroffen.
Präsidentenpalast
Gegenüber vom Mausoleum befindet sich das Gebäude der Nationalversammlung. Der Neubau von 2014 wurde von einem deutschen Architekturbüro entworfen. Deutsche Architeken scheinen in Vietnam eine lange Tradition zu haben. Die Nationalversammlung ist das Parlament im Einparteiensystem. Die 500 Abgeordneten der Nationalversammlung werden für eine Legislaturperiode von 5 Jahren gewählt. Sie müssen mindestens zweimal im Jahr eine Vollversammlung abhalten. Die Nationalversammlung ernennt u.a. den Staatspräsidenten, den Premierminister und die Regierung. Die größte politische Macht liegt jedoch nach wie vor bei der Kommunistischen Partei Vietnams, welche den Wahlprozess unter ihrer Kontrolle hat. Die Kommunistische Partei stellt in der Nationalversammlung ca. 90 % der Abgeordneten.
Gebäude der Nationalversammlung
Neben dem Präsidentenpalast ist das Wohnhaus von Ho Chi Minh. Er hatte sich geweigert, in den pompösen Palast einzuziehen und lebte in einem bescheideneren Wohnhaus. Aber auch dieses Haus – oder besser die Häusergruppe – war luxuriöser als der Volksstandard. Das Holzhaus liegt sehr idyllisch an einem See, das 2. Wohnhaus wurde auch für den Empfang von Gästen genutzt, die Garage beherbergt diverse Autos und die Krankenstation wurde ausgebaut, als er am Ende seines Lebens krank wurde.
Wohnhaus auf Stelzen
Peugeot in der Parkgarage
Krankenstation
Wunsch und Wirklichkeit
Die eigenartigste Begegnung hatte ich heute mit einer jungen Vietnamesin. Sie sprach mich nach meiner Besichtigung an und bat mich, ihr etwas aus einem englischen Lernheft für Kinder vorzulesen. Sie möchte ihrer 2jährigen Tochter englisch beibringen und wollte alles richtig aussprechen. Sie möchte sich nur noch in englisch mit ihr unterhalten. Wie ich ihr denn englisch beibringen würde, wenn sie meine Tochter wäre? Ich habe mein Bestes gegeben, aber das ist in diesem Fall nicht viel. Wie rührend, ihre Bemühungen, es möglichst gut zu machen. Ich habe das halbe Buch vorgelesen und sie hat viel gefragt. Dann sind wir noch ein bisschen zusammen gelaufen und haben uns unterhalten. Irgendwie charmant. Ich habe nicht gesagt, dass ich ihre Pläne für keine gute Idee halte.
Ich war zwar schon recht häufig am benachbarten Hoan Kiem See, aber im Old Quarter war ich erst ein Mal. Es wird auch das Viertel der 36 Gassen genannt, da es früher 36 Gilden gab, die ihre gleichartigen Waren immer in einer Straße verkauften. Auch heute noch sind die Straßen nach Warengruppen aufgeteilt, es gibt aber inzwischen 50 Gassen. Die Namen der Straßen beginnen mit Hang (= Handelsware). Anschließend wird der Warenname angehängt, z. B. Hang Non für Hüte, Hang Dao für Seide, Hang Bun für Nudeln, Hang Ca für Fisch oder Hang Thuoc Bac für die Kräutermedizin. Es ist ein Ort, der vor Energie sprüht. Die mehr als 2 Millionen Motorroller Hanois scheinen sich hier zu treffen und sie fahren auch dann durch die Gassen, wenn eigentlich kaum noch ein Fußgänger durchpasst.
Ich hatte mir vorgenommen, die Gassen alle zu durchwandern und mir zu merken, welche Waren heutzutage angeboten werden. Das ist natürlich nicht gelungen. Man verliert ganz schnell die Orientierung und als ich das dritte Mal in der Gasse für Nähutensilien gelandet bin, habe ich aufgegeben. Einen Eindruck habe ich trotzdem bekommen. Es ist schon eigenwillig, wenn in einer Straße alle Händler die gleichen Waren verkaufen. So wie die Gasse der Schuhe sehen auch die folgenden Gassen aus, ein Laden dicht am anderen. Konkurrenz belebt das Geschäft.
Schuhe über Schuhe, ich war überfordert und habe keine gekauft
Tüttelkram zum Annähen
Das sind übrigens alles Knöpfe
Reissverschlüsse
Alles für die Suppenküche
Und so geht das dann immer weiter mit einer Gasse für Gewürze, für Metallwaren, für Kinderspielzeug, für Klamotten, für Pagodenzubehör oder für Fleisch. Etwas stutzig hat mich der folgende Laden gemacht, den es nur zweimal gab. Werden da tatsächlich gebrauchte Grabsteine verkauft oder ist das einfach ein Gestaltungsbeispiel?
Ein ganz klein wenig noch zur Geschichte des alten Viertels. Das frühere Handelszentrum von Hanoi bestand ursprünglich aus einer Vielzahl von kleinen Wasserstraßen und Kanälen. Die Altstadt war eine autarke Stadt in der Stadt, geschützt von Wällen, Stadttoren und Deichen. Während des 19. Jahrhunderts wurden viele der Wasserwege zugeschüttet und zu Straßen umfunktioniert. Geblieben ist ein Geflecht aus engen Gassen, schmalen Straßen und noch schmaleren Häusern. Die ältesten Gebäude sind nur wenige Meter breit, aber bis zu 80 Meter tief, sogenannte Tunnelhäuser. Eine Wohn- und Lebenskultur, die immer mehr Menschen aufgeben, denn durchschnittlich stehen einer Familie mit 10 Personen gerade einmal 21 m² Fläche zur Verfügung, wobei die sanitären Anlagen meist mit anderen Haushalten zu teilen sind.
Ganz zum Schluss nochmal ein Film vom Straßenverkehr, weil es soviel Spaß macht. Gefilmt vom touristischen Hotspot, einem Restaurant im 1. Stock. Und um mal meinen Vorurteilen freien Lauf zu lassen, tippe ich bei den Touristen am Schluss des Films auf Australier oder Briten :-).
Ich habe (außer zu My und Sung) keinen Kontakt zu Vietnamesen. Trotzdem sehe ich sie natürlich jeden Tag. Hier eine kleine, unvollständige Aufstellung, was mir so alles aufgefallen ist – ohne Anspruch auf empirische Qualität.
Ich bin schon mehrfach von Jugendlichen angesprochen worden, ob ich bereit wäre, mich mit Ihnen fotografieren zu lassen. Ich habe keine Ahnung, woran das liegt. Manchmal denke ich, es sind meine lockigen Haare. Das gibt es bei den Vietnamesen nicht. Wenn ich bei meinen Erkundungsgängen in eine Gruppe von Schülern gerate, und das passiert mir regelmäßig, dann werde ich umringt und viele rufen Hello oder Whats’s your name. Dann komme ich mir manchmal vor wie früher ein Missionar in Afrika.
Jeder Hanoier tut ständig irgendwas. Sie wirken ungeheuer fleissig. Es wird verkauft, gefegt, bewacht, gefahren, gesammelt und transportiert. Alle versuchen, irgendwie zu Geld zu kommen und das jeden Tag. Nebenan wird ein neues, mehrgeschossiges Haus gebaut. Die Bauarbeiter und Bauarbeiterinnen wohnen während dieser Zeit in der Baustelle. Sie waschen dort ihre Wäsche und schlafen auf dem Betonfussboden. Friseure bedienen ihre Kunden direkt an der Straße. Schuhputzer putzen in der typischen Hockstellung; meist sehe ich den Besitzer der Schuhe nicht, man kann sie also offensichtlich abgeben. Männer sehe ich hier oft im Sicherheitsdienst. Irgendwas muss immer bewacht oder beaufsichtigt werden, sei es der Eingang zu einem Gebäude oder die Mopeds auf dem Bürgersteig.
Scheint hier ein Lebensmotto zu sein
Genialer Fahrradreparierer
Wäsche auf der Baustelle
Die Menschen stehen früh auf und viele gehen dann zum Tai Chi an den See. Dann sind sie natürlich mittags müde und machen ein Schläfchen und zwar überall. Das kann am oder auf dem Schreibtisch sein, im Großmarkt auf Stoffballen, direkt auf den kleinen Stühlen oder im Geschäft auf dem blanken Boden. Hanoier sind es gewohnt, auf Bambusmatten zu schlafen. Die Mopedfahrer schlafen direkt auf ihrem Moped, Beine über den Lenker, Kopf auf den Sitz.
Schlafen in jeder Stellung
So rum gehts’s natürlich auch – man achte auf die Gummilatschen
Ich sehe immer wieder Männer mit sehr langen Fingernägeln. Fast ein wenig eklig. Nun könnte das bedeuten, dass ein Mann in Hanoi nicht mit einem Reisbauern in einen Topf geworfen werden möchte. Es scheint aber einfach eine Art Mode zu sein. Frauen fahren dafür gerne mal mit Highheels auf dem Moped.
Wo immer man ist, es ist laut. Scheint daher zu kommen, dass so viele Familienmitglieder in einer Wohnung leben und eine Schulklasse auch mal 60 Schüler haben kann. Hupen ist Pflicht und man erschrickt auch nach einer Zeit nicht mehr über den quälenden Ton der Mopeds. Der Baulärm kommt dazu, das Hundegebell und schreiende Menschen, die das so nicht empfinden.
Klappt natürlich nicht
Echt ein Witz
Man sagt ja immer, man soll sich mit Händen und Füssen unterhalten, wenn man die Sprache nicht spricht. Das kann aber hier auch in die Hose gehen. Die Geste zum Heranwinken wirkt, als wolle man, dass jemand geht.
Die Menschen sind ungeheuer kinderfreundlich und betatschen ungefragt Kindergesichter und Haare. Ich fahre mit Lea immer ganz schnell weiter, wenn sich eine Hand nähert. Die Vorstellung, dass Kinder das nicht immer mögen, gibt es hier nicht.
Der zweiteilige Schlafanzug ist ein Kleidungsstück, das man öfter auf der Straße sieht, Er gilt als bequem und schick und heisst hier Hauskleidung. Genauso oft sind Gummilatschen vertreten, was mich nicht wundert, weil es öfter mal regnet und die schlechten Straßen und Straßenränder dann voller Pfützen sind. Merkwürdigerweise sind die Schuhe oft viel zu groß.
Was für San Francisco Alcatraz, ist für Hanoi Hoa Lo, mit zwei großen Unterschieden: gebaut wurde es nicht von Inländern, sondern 1896 von den Franzosen und es war in erster Linie für politische Revolutionäre und nicht für Schwerverbrecher gedacht. Was beide gemeinsam hatten, war eine relative Ausbruchssicherheit und den Ruf, zu den grausamsten Gefängnissen des Landes zu gehören (die Einwohner Hanois nannten es Hölle auf Erden). Heute steht von diesem Gefängnis nur noch ein Drittel, aber das genügt, um einen Eindruck der Bedingungen zu vermitteln, die damals herrschten. Die Franzosen nannten es übrigens Maison central.
Auf allen Tafeln, die im Gefängnis hängen, kommen die Franzosen mit ihren Behandlungsmethoden nicht gut weg. Es gab anfangs nicht mal eine Toilette für die bis zu 20 Gefangenen, die in einer Zelle saßen, sondern nur ein Loch im Boden. Die Todesstrafe wurde mit der Guillotine vollzogen. Gebaut wurde das Gefängnis für 500 Gefangene, 1954 hatte es aber 2000 Insassen.
Auf der Indochinakonferenz in Genf wurde Mitte 1954 die Teilung Vietnams entlang des 17. Breitengrades in die (nördliche) Demokratische Republik Vietnam (Hauptstadt Hanoi) und die (südliche) Republik Vietnam (Hauptstadt Saigon) beschlossen. Nach eigenen Aussagen kamen danach nur noch Menschen in das Gefängnis, die gegen die Gesetze verstoßen hatten. Allerdings gab es immer wieder rigorose Säuberungswellen, in deren Verlauf Menschen getötet oder inhaftiert wurden.
Eine letzte Verwendung fand Hoa Lo während des Vietnamkrieges von 1964 bis 1973 als Gefängnis für amerikanische Soldaten. Sie nannten es ironisch Hotel Hanoi. Glaubt man den Filmen und Hinweistafeln, hätten es die amerikanischen Fliegerpiloten gar nicht besser treffen können als über Hanoi abgeschossen und hier inhaftiert zu werden. Der Teil der alten, französischen Geschichte strotzt vor Elend und Leid, während im neueren Teil Fotos von fröhlichen, basketballspielenden GIs mit blütenweißen Socken ausgestellt sind. Ich habe in diesem Teil kaum Fotos aufgenommen.
Rettung von John Mc Cain, der übrigens in den Westlake abgestürzt ist.
Ärztliche Versorgung
Zitat aus dem Informationsheft: Im Gefängnis fanden die Piloten exzellente Bedingungen für Unterhaltung, Sport und Kultur vor. Sie konnten Schach spielen, Musik und Radio hören, Filme anschauen. Es wurden Partys organisiert, speziell zu Weihnachten und Silvester. Sie durften sich wie Touristen kleiden und in die katholische Kirche gehen. War jemand protestantisch, wurden eigene Messen organisiert. Außerdem gab es regelmäßige Gesundheitschecks.
Heute war ich beim Friseur. Das ist ja immer eine kleine Mutprobe in einem fernen Land mit schwieriger Verständigung. Quyen spricht zwar englisch, aber mit starkem Akzent und so habe ich auch nicht alles verstanden. Ich wollte Farbe, Strähnchen und Schneiden, also das volle Programm. Der Friseursalon ist klein mit 3 Stühlen und für deutsche Verhältnisse altmodisch, für vietnamesische aber schon die bessere Variante wie man auf den folgenden Fotos sehen kann.
Ich war immerhin drinnen, was bei dem heutigen Nieselregen die bessere Alternative war. Quyen ist der einzige Friseur in seinem Salon, er hat aber 2 Angestellte für Färben und Waschen. Ausserdem bekommt man eine sehr ausführliche, sehr gute Kopfmassage und am Ende die Ohren liebevoll getrocknet.
Quyen ist um mich herum getanzt wie Udo Waltz, hat da und dort geschnitten, aufgeplustert und gefönt. Es war ganz wunderbar, wenn auch die Fönfrisur nicht lange halten wird. Ich habe mich hier schon dran gewöhnt, mit einem Lockenkopf rumzulaufen. Deswegen wollte ich auch nur ganz wenig gekürzt haben. Hat alles geklappt und ich bin zufrieden.
Vor 2 Wochen habe ich ein weiteres Experiment gestartet und war bei einer Wimpernverlängerung. Kann man ja in Deutschland nicht bezahlen. Das ist erstmal eine feine Sache, weil die Wimpern immer aussehen als wären sie getuscht. Die Wimpern sind schön lang und die Augen wirken größer. Und jetzt kommt das Aber. Nach 2 Wochen fallen die ersten falschen Wimpern ab oder aus und dann wird das Ganze etwas ungleichmäßig. Man müsste also etwa alle 3-4 Wochen neue Wimpern dazuschweissen lassen. Das mache ich natürlich nicht, weil es mir in Deutschland viel zu teuer ist und auch relativ lange dauert. Ist aber kosmetisch unbedenklich.
Ich glaube, jetzt habe ich alle Schönheitsversuche durch. Maniküre und Pediküre mache ich weiter, ist schon nett, wenn man sich nicht mehr selber die Nägel schneiden muss, Friseur ist sowieso ok und Massage ist einfach wunderbar. Auf alles andere, was hier noch so angeboten wird, verzichte ich lieber.
Der West Lake ist der größte See von Hanoi mit einem Umfang von 18,6 km. Interessant sind die offiziellen Seiten über den Westlake, schaut Euch da mal die tollen Fotos an, bevor ihr hier weiterlest.
Ich wohne in Tay Ho und quasi um die Ecke liegt der See. Eigentlich lebe ich gerne an einem See, aber hier ist es oft so diesig, dass der See seinen Charme verliert. Eine Uferpromenade gibt es, aber auf der kann man an vielen Stellen nicht gut laufen, weil alle paar Meter ein Baum eingepflanzt wurde.
Der Stadtteil Truc Bach liegt am südöstlichen Ende des Sees. Hier ist es am schönsten. In der Nähe sind auch 2 der großen Luxushotels von Hanoi, das Sheraton und das Interconti. Früher waren hier mal ganz viele Restaurants auf Schiffen. Vor ein paar Jahren gab es eine Umweltkatastrophe und ein großes Fischsterben. Um die Touristen zu beruhigen, wurden die Schiffsrestaurants als Schuldige identifiziert und auf die andere Seite des Sees verlegt. Dort liegen die Wracks noch heute und rosten vor sich hin.
Ob damit das Problem gelöst wurde, möchte ich bezweifeln. Ich sehe am Ufer überall Angler, aber ich würde keinen Fisch aus diesem See essen. Ich sehe nämlich auch Rohre, die in den See führen.
Am See gibt es außerdem einen ziemlich heruntergekommenen Freizeitpark, einen Spielplatz und immer wieder Menschen, die Sport machen. Ich sehe zwar nie Menschen zum Vergnügen laufen (wen wundert’s), aber Tai Chi ist an den Seen sehr beliebt.
Das Schönste aber ist eine riesige Blumengärtnerei an der Nordseite des Sees. Eine wahre Augenweide und einfach wunderschön anzuschauen.
Die Franzosen haben in ihrer Besatzungszeit der Stadt ihren Stempel aufgedrückt und der ist heute noch gut sichtbar. Sie kamen 1883 nach Hanoi, das damal 150.000 Einwohner hatte (heute 7 Mio.), und verpassten der Stadt ein europäisches Flair. Stadtteile wurden zerstört, Seen und Kanäle aufgeschüttet oder verkleinert. Man brauchte Platz für breite, baumgesäumte Alleen und die Oper, Kirchen, öffentliche Bauten und Luxusvillen. Hanoi sollte das Paris Asiens werden. Das endete 1940 mit der Eroberung durch Japan, auch wenn die Verwaltung des Landes bis Anfang 1945 in der Hand der Franzosen blieb. 1945 folgt die Ausrufung der Demokratischen Republik Vietnam (DRV) durch die Provisorische Regierung unter Präsident Ho Chi Minh in Hanoi. Die Franzosen blieben aber und es begann der Indochinakrieg. Soweit die Geschichte bis dahin.
Auch die Sprache hat französiche Anteile behalten, so heißt z.B. Bahnhof ga xe (von franz. gare) oder Käse pho mát (von franz. fromage). Ausgesprochen wird es ganz anders als geschrieben, das ist ja hier mein Problem. Man kann auch heute noch an jeder Ecke Baguette kaufen. Da ist allerdings mehr Luft drin als Teig.
Ich habe meinen Spaziergang gestern bei der Oper gestartet und bin dann die Rue Paul Bert entlanggelaufen. So hieß die Flaniermeile bei den Franzosen, heute ist es die Trang Tien. Die Oper wurde von 1901-1911 gebaut und ist dem Pariser Opernhaus nachempfunden. Ich werde demnächst dort ein Konzert besuchen.
Opernhaus, das offiziell Stadttheater heisst
Auf dem gesamten Weg ist ein Prachtbau nach dem anderen. Oft beherbergen sie heute Ministerien, Botschaften oder Museen. Es läuft sich sehr entspannt, es gibt breite Bürgersteige, die (meist) nicht von Mopeds zugeparkt sind, auch mal schön. Die Geschäfte sind entsprechend größer und moderner, natürlich ist auch alles teurer. Das Viertel ist übrigens direkt um die Ecke vom Old Quarter und die Strecke führt auch am Hoan Kiem See entlang.
Arbeitsministerium
Hotel von 1901
Zu dieser Epoche gehört auch die St. Josephs Kathedrale, auch wenn sie nicht an dieser Straße liegt. Auch hier wurde die Pariser Kathedrale Notre Dame als Vorbild genommen. Sie wurde 1886 eingeweiht und ihr musste eines der bedeutendsten buddhistischen Heiligtümer der Stadt weichen. Die Kathedrale wirkt sehr düster und man kann sie nicht besichtigen.