Im Nationalpark

Es war heiss und schwül am zweiten Tag meiner Reise. Daher hoffte ich auf etwas Abkühlung im Cuc Phuong Nationalpark. Aber subtropisch ist eben was anderes als unser Klima. Eine Abkühlung gab es nicht. Daher stand mir ein sportlicher Tag bevor.

Zuerst liefen wir zu einem Rettungszentrum für bedrohte Affen und Schildkröten. In Vietnam werden Affen von Wilderern gefangen und verkauft, dasselbe gilt für Schildkröten. Somit sind einige Arten inzwischen fast ausgestorben. Im Rescue Center werden verletzte und gerettete Affen abgegeben, sie werden dort gepflegt, man versucht auch, sie zu vermehren, aber das Ziel ist immer, sie wieder in der freien Natur auszusetzen. Das Zentrum wurde 1993 als Projekt der Frankfurter Zoogesellschaft gegründet und wird weiter von Deutschland unterstützt.

Weiter ging es mit einem Fahrrad 12 km durch den Nationalpark. Hört sich gut an, war aber schwierig. Das Fahrrad war mal ein Mountainbike gewesen, die Gangschaltung funktionierte nicht, die Kette schrammte, das Fahrrad war nicht richtig auf mich eingestellt. Es ging ziemlich oft steil nach oben und nach den ersten 5 Anstiegen habe ich kapituliert und geschoben. Dazu kam die Hitze, so dass das Ganze nicht wirklich erbaulich war. Aber irgendwann war auch das geschafft und ich konnte die nächste Klettertour zur prähistorischen Höhle absolvieren. Während wir den Anstieg über viele Stufen und Steine machten, hielt Herr Yen plötzlich inne und rannte zurück. Wie sich herausstellte, hatte er die Räucherstäbchen vergessen, die man anzünden muss, wenn man sich zu den Ahnen begibt.

Danach ging es zum Mittagessen in einen Waldgasthof. Es war Sonntag und eine Firma machte offensichtlich einen Betriebsausflug; ich hätte es eher für einen Junggesellenabschied gehalten. Aber Xum, der gut englisch sprach, klärte mich auf. Es wurde sehr viel Reiswein getrunken, verbunden mit geschrieenen Trinksprüchen, daneben lief Musik über mehrere Lautsprecher, irgendjemand erzählte immer was über Mikrofon, während 2 andere Karaoke sangen. Ein unglaublicher Lärm mitten im Wald, aber alle hatten ihren Spaß.

Als nächstes sollte eine weitere Wanderung zu einem alten Baum folgen. Aber ich hatte keine sportlichen Ambitionen mehr und wollte lieber nochmal Boot fahren. Wir hatten am Tag zuvor kurz am Hafen in Ninh Binh gehalten und dort waren kaum Touristen. Das ist der Vorteil einer privaten Tour, dass man das Programm einfach mal umschmeissen kann. Auf dieser wunderschönen Bootstour in Van Long hatten wir das Glück, einige der wildlebenden Affen dieser Gegend zu sehen.

Zurück ging es zur zweiten Nacht im Emeralda Hotel. Herr Yen verabschiedete sich, da Xum mich alleine am nächsten Tag in die Halong Bay fahren würde. Weder Reiseleiter noch Fahrer übernachteten übrigens in meinem Hotel, sondern in einem einfacheren in Ninh Binh. Xum zeigte es mir am nächsten Tag. Es sah GottseiDank auch sehr schön aus.

Miss Marion und ihr Chauffeur

Am Samstag wurde ich von Herrn Yen und dem Chaffeur Xum in einer schwarzen Limousine vor meiner Haustür abgeholt. Ich kam mir vor wie die Queen. Für 2 Tage sollten das meine Begleiter sein. Herr Yen sieht ein wenig aus wie Ho Chi Minh, der Chauffeur (rechts im Bild) wäre auch als Bodyguard durchgegangen. Herr Yen erklärte mir gleich zu Beginn der Fahrt die Vorzüge des Sozialismus. Angesichts der amerikanischen Limousine (Chevrolet) und einer Person aus dem kapitalistischen Ausland war das erheiternd, was ich natürlich nicht zeigte. Auf dem Foto sieht man uns bei unserem ersten Mittagessen, das ganz ausgezeichnet und sehr vietnamesisch war. Die Spezialität dieser Gegend ist Ziegenfleisch, das mir gut schmeckte. Den Verkauf kompletter toter Ziegen am Straßenrand fand ich später allerdings gewöhnungsbedürftig. Ich lernte einiges über vietnamesische Tischsitten und was man mit was zusammen essen muss. Wir verständigten uns in Vietnam-Deutsch, da Herr Yen in den 70er Jahren 7 Jahre in der Nähe von Dresden gelebt hat. War nicht immer ganz einfach.

Die Fahrt ging zuerst zu nach Hoa Lu, einer antiken Königsstadt mit 2 Tempeln. Überall, wo es schön ist und es was zu sehen gibt, sind viele Touristen, vorzugsweise aus anderen asiatischen Ländern. Ich werde nicht viel zu den Königen, ihren Frauen und Generälen sagen, wen das interessiert, findet im Internet genug Informationen dazu.

Weiter ging es nach Trang An. Hier war richtig was los, was angesichts der Attraktion auch kein Wunder ist. Eine 3stündige Paddeltour auf einem Fluss durch verschiedene Höhlen, zu 2 Tempelanlagen und dem Filmset von King Kong: Skull Island ist schon was besonders. Den in der Reiseübersicht versprochenen clear blue sky gab es aber nicht ;-). Heiss war es trotzdem, so dass ich ihn nicht sehr vermisst habe.

Eigentlich sollte es an diesem Tag laut Plan noch eine Fahrradtour geben, aber es war schon nach 17 Uhr, als wir in Ninh Binh ankamen. Das Hotel Emaralda war beim ersten Anblick so traumhaft schön, dass ich mich entschied, lieber schwimmen zu gehen und mich in der Anlage umzuschauen. Das Hotel hat wunderbare, große Zimmer, mehrere Pools und ein wunderschönes Restaurant. Es liegt ruhig inmitten üppiger Natur. Also ein Hotel für romantische Tage. Fotos gibt es im Internet genug.

Es war sehr bequem, überall ein Auto mit einem netten Chauffeur zu haben. Ich hatte so noch nie Urlaub gemacht und kam mir manchmal etwas fremd dabei vor. Mir fehlten auch einfach ein paar nette Menschen zum abendlichen Plaudern.